Ein Mann in den Gassen Suramars
Arluin lebte in den Seitengassen des Immermondbasars in Suramar. Er gehörte heimlich zum Widerstand der Nachtgefallenen, trat aber nicht als begeisterter Idealist auf. Wer Informationen, Kontakte oder seine Fähigkeiten benötigte, musste bezahlen. Meist verlangte er uraltes Mana, die kostbarste Ressource einer Gesellschaft, deren Körper seit Jahrtausenden von arkaner Energie abhängig waren.
Vanthir hielt wenig von diesem scheinbaren Eigennutz, wusste aber, dass Arluin in der Stadt Wege öffnen konnte, die offiziellen Verbündeten verschlossen blieben. Er kannte Schmuggler, Adlige und Wachrouten. In einem Aufstand gegen Großmagistrix Elisande war dieses Wissen unverzichtbar. Der Widerstand brauchte nicht nur mächtige Magier, sondern Menschen, die im Schatten einer überwachten Stadt überlebt hatten.
Rache für Margaux
Nachdem die Widerstandskämpferin Margaux öffentlich hingerichtet worden war, schickte Vanthir einen Verbündeten zu Arluin. Der Informant verlangte zunächst eine große Menge uralten Manas, anschließend eine Lieferung Arkanwein für die Großmagistrix und schließlich Schutz für sein Schmuggellager. Erst als alle Forderungen erfüllt waren, nannte er den Aufenthaltsort des Aufsehers Durant, der Margaux getötet hatte.
Arluin vermittelte außerdem drei Helfer: Cyrille, Lorin und Sylessa. Mit ihrer Unterstützung wurde Durant besiegt und Margaux gerächt. Der Ablauf wirkte wie ein Geschäft, doch er erfüllte mehrere Zwecke zugleich. Der Widerstand gewann Informationen, beschlagnahmte Versorgungsgüter und bewahrte ein Netz illegaler Vorräte. Arluin ließ sich bezahlen, aber seine Aufträge schwächten dabei stets Elisandes Herrschaft.
Ein Spiel unter den Adelshäusern
Ly'leth Lunastre wollte Beraterin Elisandes werden, um den Widerstand unmittelbar aus dem Machtzentrum zu unterstützen. Dafür musste sie rivalisierende Adelshäuser ausschalten, ohne ihre eigene Verbindung zur Rebellion offenzulegen. Vanthir griff erneut auf Arluin zurück. Dessen Preis war noch höher als zuvor, doch sein Wissen ermöglichte eine Operation, die mit offenem Kampf nicht zu gewinnen gewesen wäre.
Arluin ließ den teufelsgeborenen Ruven Dämmermeer töten und Gerüchte unter dessen trauernden Angehörigen verbreiten. Der Verdacht fiel auf Coryn Stelleris. Der Konflikt endete in einem Ehrenduell, das Ly'leth gewann, wodurch sie zur neuen Beraterin aufstieg. Arluins Arbeit war moralisch nicht sauber. Sie nutzte Trauer, Täuschung und die Eitelkeit des Adels. Der Widerstand konnte dadurch jedoch in einen Hof eindringen, an dem die Brennende Legion bereits politischen Einfluss besaß.
Warum Arluin immer Mana verlangte
Lange erklärte Arluin nicht, weshalb er so große Mengen uralten Manas forderte. Für die übrigen Rebellen sah es aus, als bereichere er sich an ihrer Not. Tatsächlich versorgte er seine Schwester Arluelle. Sie litt unter dem arkanen Entzug und war kurz davor, vollständig zu verdorren. Ohne eine Heilung konnte Arluin ihr Leben nur verlängern, indem er immer neue Energie beschaffte.
Diese Wahrheit entschuldigt nicht jede seiner Methoden, verändert aber ihren Sinn. Arluin hortete Mana nicht, um in Suramars Hierarchie aufzusteigen. Er hielt eine Angehörige am Leben, während Elisande Arkanwein als Mittel politischer Kontrolle rationierte. Sein Verhalten war damit eine private Antwort auf dasselbe System, gegen das der Widerstand kämpfte. Wo die Herrscherin Abhängigkeit nutzte, um Gehorsam zu erzwingen, stahl Arluin genug Zeit für seine Schwester.
Der Manasturm in den Arkusgängen
Der junge Arkan'dor in Shal'Aran sollte die Nachtgefallenen dauerhaft von ihrer Abhängigkeit heilen. Damit der Baum wachsen konnte, brauchte er jedoch mehr arkane Energie. Arluin führte Thalyssra und einen Verbündeten durch die Arkusgänge zum Nachtstromleiter und öffnete eine verschlossene Tür. Ein vergänglicher Manasturmprojektor sollte die Leylinien überladen und den Arkan'dor speisen.
Der Zeitzünder des Geräts war defekt. Thalyssra aktivierte den Projektor manuell und schützte die Gruppe mit einer Barriere, doch der Sturm wurde immer stärker. Arluin verließ die sichere Zone und schaltete das Gerät selbst ab. Die arkane Gewalt verletzte ihn tödlich. Nach der Rückkehr nach Meredil erfuhr er noch, dass der Plan gelungen war. Dann starb er. Der Mann, der für jede kleine Hilfe Bezahlung verlangt hatte, forderte für seinen letzten und wichtigsten Dienst nichts im Voraus.
Arluelles Erbe
Arluin hatte Vanthir ein Testament hinterlassen. Alle ausstehenden Belohnungen sollten an Arluelle gehen, deren Aufenthaltsort er auf einer Karte markiert hatte. Vanthir erkannte nun, dass er den Informanten falsch beurteilt hatte. Ein Abenteurer fand Arluelle, überbrachte ihr eine Frucht des Arkan'dor und berichtete vom Opfer ihres Bruders. Die Frucht heilte ihre Abhängigkeit und gab ihr die Kraft zurück, die Arluin mit immer neuen Manareserven nur hatte erhalten können.
Arluelle schloss sich anschließend dem Aufstand an und kniete an Arluins Gedenkstätte. Sein Tod war damit unmittelbar mit dem Überleben seiner Schwester und der Befreiung vieler Nachtgeborener verbunden. Arluin wurde nicht nachträglich zu einem makellosen Helden. Er blieb Schmuggler, Erpresser und Meister schmutziger Geschäfte. Aber seine Geschichte zeigt, weshalb Widerstand in einer kontrollierten Stadt manchmal Menschen braucht, deren Anstand sich nicht an einem freundlichen Auftreten erkennen lässt.