Der König hinter der Maske
Sechshundert Jahre vor der Öffnung des Dunklen Portals herrschte Terokk über die geflügelten Arakkoa der Spitzen von Arak. Er war kein ferner König. Mit einer Maske ging er unerkannt unter sein Volk, hörte Gespräche und sah, wie seine Gesetze im Alltag wirkten. Seine Tochter Lithic schenkte ihm einen goldenen Armreif, den er stets trug. In solchen Bindungen lag die verletzliche Seite eines Herrschers, den spätere Generationen fast zum Gott machten.
Als die Blutmähnen-Säbler die Arakkoa bedrohten, zog Terokk selbst in den Kampf und zerschlug ihre Macht. Die Bevölkerung feierte ihn als lebende Wiederkehr Rukhmars. Für die Priester der Anhar wurde seine Beliebtheit zur Gefahr, denn sie beanspruchten allein, im Namen der Sonnengöttin zu sprechen. Terokk beschränkte ihren Einfluss und wollte Wissen und Weisheit über Furcht und Aberglauben stellen. Damit forderte er nicht nur einzelne Priester, sondern die Grundlage ihrer Herrschaft heraus.
Der Sturz in Sethes Blut
Die Anhar verschworen sich gegen den König. Terokk wurde verraten, von den Spitzen geworfen und landete in den verfluchten Wassern der Sethekkklamm. Sethes Blut verbrannte seinen Körper, ließ die Flügel verkümmern und schnitt ihn vom Licht Rukhmars ab. Der Herrscher des Himmels kehrte als gebeugter, flugunfähiger Ausgestoßener zurück.
Sein Schicksal offenbarte die Lüge der herrschenden Ordnung. Die Priester erklärten den Fluch zur Folge persönlicher Unwürdigkeit, obwohl sie Verurteilte absichtlich in die verseuchten Becken warfen. Terokks Körper zeigte allen, dass selbst der verehrte König über Nacht in jene Kaste gestoßen werden konnte, die man zuvor für ihre Gestalt verachtet hatte. Seine Maskierung war nun nicht mehr freiwilliges Spiel. Die Welt erkannte ihn an der Entstellung, die sie als Schande lesen wollte.
Skettis für die Unerwünschten
Der Rabengott Anzu nahm Terokk und die anderen Verstoßenen an. Er lehrte sie Schatten- und Arkanmagie, aus der die Tradition der Krallenpriester entstand. Zwischen alten Apexisruinen bauten sie Skettis, eine Zuflucht für die unerwünschten Kinder Rukhmars. Aus einem persönlichen Fall wurde eine neue Gesellschaft.
Terokk trug nun eine Keule als Zeichen seines Abstiegs vom geflügelten König zum ketzerischen Ausgestoßenen. Unter seiner Führung wuchs der Einfluss Skettis' bis in den später nach ihm benannten Wald von Terokkar. Die Verfluchten waren nicht geheilt, aber sie waren nicht mehr allein. In dieser Phase wurde Terokk zum größten Helden seines Volkes: nicht weil er seinen alten Thron zurückgewann, sondern weil er den Verstoßenen einen Ort gab, an dem ihre Wunden kein Beweis gegen ihren Wert waren.
Wenn der Fluch den Beschützer verzehrt
Sethes Fluch arbeitete weiter in Terokks Leib und Geist. Schmerzen, Visionen und der Verlust seiner Tochter fraßen an ihm. Der König begann, die Welt zu hassen, zog sich von Skettis zurück und opferte sogar Angehörige niedrigerer Kasten in der Hoffnung auf Heilung. Die Zuflucht, die aus Mitgefühl entstanden war, geriet unter den Schatten ihres Gründers.
Seine Krallenpriester schlossen Terokk in ein Schattenreich ein, um ihn zu bewahren und vielleicht eines Tages geheilt zurückzubringen. Zurück blieben Reliquien, Prophezeiungen und Anhänger, die den früheren Beschützer mit dem späteren, wahnsinnigen Herrscher vermischten. Manche begingen in seinem Namen Grausamkeiten, andere wie die Exilanten von Skettis warnten, der falsche Prophet werde ihr Volk in den Untergang führen.
Die Rückkehr eines beschädigten Vermächtnisses
In der Scherbenwelt bereiteten Terokks Anhänger seine Wiederkehr vor. Die Himmelswache und Verbündete riefen ihn vor der richtigen Sternenkonstellation aus dem Schatten und töteten den wahnsinnigen Rest des Krallenkönigs. Auf dem alternativen Draenor konnten Reisende einer früheren Gestalt Terokks begegnen, ihm gegen die Anhänger Rukhmars helfen und erleben, wie er die Ausgestoßenen zu einem offeneren Weg ermutigte.
Beide Bilder gehören zu seinem Namen, müssen aber zeitlich getrennt bleiben. Terokk war der König, der Aberglauben begrenzte, der Verstoßene, der eine Stadt für andere Verstoßene schuf, und der Kranke, der schließlich selbst Opfer forderte. Sein Leid erklärt den Fall, ohne die Opfer zu widerrufen. Gerade darin liegt sein tragisches Vermächtnis: Eine Zuflucht darf nicht vom unfehlbaren Bild ihres Gründers abhängen, sonst wird sein Fluch eines Tages zum Gesetz für jene, die er einst retten wollte.