Die Tiere unter Azj-Kahet
Rak-Ush liegt außerhalb der dichtesten Bezirke der Stadt der Fäden. Der Ort ist Zuchtanlage, Werkstatt und landwirtschaftlicher Betrieb zugleich. Neruber hielten hier Schwarmtiere, deren Körper für sehr verschiedene Aufgaben geeignet waren. Kräftige Kieferkriecher lockerten wie Pflugtiere den Boden. Kleine Fädlinge erzeugten besondere Seide. Käfer und Stachelhirsche lieferten weitere Stoffe, die in einer unterirdischen Gesellschaft ebenso wichtig waren wie Getreide oder Vieh an der Oberfläche.
Solche Tiere waren nicht bloß Nahrung oder Kriegsgerät. Ihre Seide wurde verarbeitet und gehandelt, ihre Fähigkeiten ersetzten Maschinen, und ihre Zucht sicherte Arbeitsplätze. Als Rak-Ush verfiel, verlor Azj-Kahet deshalb mehr als einen abgelegenen Hof. Ein ganzer Teil der Versorgung brach weg. In einer Zeit, in der Königin Ansurek immer mehr Ressourcen für ihre Armee beanspruchte, bekam die Wiederherstellung der Anlage politische Bedeutung.
Anub'azal braucht einen Nachschubweg
General Anub'azal hatte Ansurek lange gedient, wandte sich jedoch gegen ihre Herrschaft, als sie ihr Volk Xal'ataths Schwarzem Blut auslieferte. Widerstand brauchte nicht nur Mut. Soldaten mussten versorgt, Ausrüstung bezahlt und Verbündete gewonnen werden. Rak-Ush sollte zu einer Grundlage dieses Krieges werden. Der General beauftragte Kish'nal und die unberechenbare Vix'aron damit, den Betrieb wieder in Gang zu bringen.
Die Arbeit offenbarte rasch, dass sich eine Schwarmzucht nicht allein mit Befehlen betreiben ließ. Tiere mussten verstanden, Brutbedingungen eingehalten und verschiedene Arten voneinander getrennt werden. Vix'aron besaß Ehrgeiz und Energie, doch für manche Aufgaben fehlte ihr das Wissen. Die Neruber erinnerten sich an die Niffen aus Mmarl, deren Geruchssinn und Erfahrung mit den Lebewesen der Tiefe ihnen einen besonderen Blick auf Zucht, Futter und Krankheiten gaben.
Die Niffen kommen nicht als Gefangene
Frühere nerubische Versuche, Fachleute aus Mmarl für Rak-Ush zu gewinnen, hatten auf Zwang gesetzt. Gerade während Ansureks Herrschaft waren Niffen verschleppt und als verfügbare Arbeitskräfte behandelt worden. Ein neuer Versuch konnte deshalb nicht so tun, als gäbe es diese Erinnerung nicht. Vertreter aus Rak-Ush mussten nach Mmarl reisen, verhandeln und zeigen, dass aus einer Forderung ein tatsächliches Angebot geworden war.
Schließlich kamen Niffen-Arachnologen wie Anisen, Patchoulisa und Papriki zur Schwarmzucht. Sie brachten Beobachtungsgabe und praktische Erfahrung mit. Ihre Mitarbeit bedeutete keine bedingungslose Versöhnung zwischen den Völkern. Sie beruhte auf Absprachen und darauf, dass die Niffen selbst entscheiden konnten. Für Azj-Kahet war das ein kleiner, aber wichtiger Unterschied: Zusammenarbeit musste nicht mehr bedeuten, dass die stärkere Seite Körper und Arbeit der schwächeren beanspruchte.
Eine Ranch im Dienst des Krieges
Unter der neuen Leitung nahm Rak-Ush seine Produktion wieder auf. Kieferkriecher bearbeiteten den Boden, Fädlinge lieferten Seide, und weitere Schwarmtiere wurden gezüchtet. Die Erträge halfen Anub'azal, seinen Feldzug zu finanzieren. Damit blieb der Ort Teil einer Kriegswirtschaft. Auch ein fairer ausgehandeltes Arbeitsverhältnis änderte nichts daran, dass seine Produkte letztlich Waffen, Soldaten und Widerstand unterstützten.
Gerade diese Spannung macht Rak-Ush bedeutend. Der Ort stand zwischen zwei möglichen Zukünften Azj-Kahets. Ansureks Ordnung behandelte Lebewesen als formbares Material und verlangte Gehorsam. Anub'azals Bündnis suchte Unterstützung gegen diese Herrschaft, musste aber beweisen, dass es selbst anders handeln konnte. In Rak-Ush zeigte sich dieser Anspruch nicht in einer großen Rede, sondern in der Frage, ob Niffen als Gefangene, Untergebene oder Vertragspartner durch das Tor kamen. Die Antwort blieb unvollkommen, doch sie war ein Anfang.