Der Weg nach Hallen des Steins
Die Hallen des Steins waren Werkstatt, Archiv und Gedächtniskammer der Titanengeschmiedeten. Hier arbeitete die Schmiede des Willens, hier sollte das Tribunal der Zeitalter die Vergangenheit bewahren, und hier ließ Loken aus Wahrheit Propaganda und aus Schöpfung eine Armee machen. Brann Bronzebarts Suche nach den Ursprüngen der Zwerge führte deshalb nicht in ein stilles Museum, sondern mitten in eine Anlage, die ihren eigenen Zweck verraten hatte. In Maid der Trauer erhält ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt.
Die Maid war geschaffen worden, um die Anlagen der Titanen zu schützen. Ihre Aufgabe verband sie mit anderen Wächtern und Konstrukten, die nicht als Feinde begonnen hatten. In den Hallen des Steins stand sie deshalb nicht vor Fremden, deren Vernichtung selbstverständlich gewesen wäre. Viele, gegen die sie die Hand erhob, gehörten zur selben Ordnung, die einst auch ihrem Dasein Sinn gegeben hatte.
Als Loken die Kontrolle über Ulduar an sich riss, verlangte er mehr als Wachsamkeit. Jeder, der die Hallen zurückfordern oder die Wahrheit hinter seiner Herrschaft suchen wollte, sollte sterben. Die Maid erkannte, dass dieser Befehl sie gegen frühere Verbündete stellte. Dennoch fand sie keinen Weg, Auftrag und Gewissen voneinander zu lösen.
Aufrichtige Trauer ohne Auflehnung
Kein anderes Wesen, so erzählt das Kompendium, empfand eine so ehrliche Trauer. Gerade darin liegt die Tragik ihres Gehorsams. Sie war nicht verdorben genug, das Leid zu genießen, und nicht frei genug, es zu verweigern. Jeder vollzogene Befehl bestätigte zugleich ihre Loyalität und den Grund ihres Schmerzes.
Loken ließ ihre Trauer nicht als Schwäche bestehen. In der Maid wurde sie zu Gewalt. Säulen des Wehs fraßen sich durch einzelne Opfer, ein Schock des Kummers ließ ganze Gruppen in hilfloser Starre versinken, und dunkle Stürme machten den Boden zu einem Feld fortgesetzten Leidens. Was sie innerlich quälte, mussten nun andere körperlich tragen.
Der Augenblick zwischen Schmerz und Bewegung
Ihre Gegner konnten die Starre des Kummers ausgerechnet durch Schaden brechen. Sie mussten also lernen, im Leid handlungsfähig zu bleiben, ohne in den Schattenfeldern zu verharren, die neues Leid erzeugten. Der Kampf war keine Erlösung der Maid. Er war der Versuch, einer Wächterin zuvorzukommen, die trotz jeder Träne weiter ausführte, was sie selbst beklagte.
Als die Maid fiel, endete ein Dienst, den sie nie mit Freude erfüllt hatte. Ihre Geschichte spricht sie nicht von jeder Verantwortung frei. Sie zeigt vielmehr, warum Trauer allein einen falschen Befehl nicht gut macht. Mitgefühl gewinnt erst dann moralische Kraft, wenn es eine Handlung verändert. In den Hallen des Steins blieb ihr Kummer wahr, aber Loken durfte bestimmen, wem er schadete.