Der Weg nach Schwarzfelshöhlen
Tief unter dem Schwarzfels verwandelte der Schattenhammer alte Gänge in ein Heiligtum der Umformung. Oger, gefangene Drachen und fanatische Kultisten waren dort keine Gefährten, sondern Rohstoffe für Cho'galls Krieg. Jede Kammer führte tiefer in eine Ordnung, in der Schmerz als Prüfung, Verderbnis als Aufstieg und der Verlust der eigenen Gestalt als Auszeichnung galt. In Karsh Stahlbieger nahm ein eigener Teil dieses Angriffs Gestalt an.
Karsh war kein gewöhnlicher Schmied, der zwischen Aufträgen ein eigenes Leben führte. Als Zwielichtdrakonid gehörte er zu Cho'galls Versuch, die Macht der Drachen in eine gehorsame Kriegsrasse zu gießen. Seine gewaltige Gestalt verband Handwerk und Gewalt so eng, dass jeder Hammerschlag bereits wie der Anfang einer Schlacht klang.
Die seltene Arbeit mit Quecksilber
In der Zwielichtschmiede verarbeitete Karsh seltenes Quecksilber zu Waffen. Das Material verlangte Temperaturen, an denen gewöhnliche Arbeiter zugrunde gegangen wären. Für den Kult war gerade diese Schwierigkeit ein Vorteil: Was nur unter unerträglicher Hitze entstand, schien passend für eine Bewegung, die jede Grenze der Welt als etwas betrachtete, das gebrochen werden müsse.
Karsh trug einen Quecksilberpanzer, der gewöhnliche Angriffe beinahe wirkungslos machte. Die Rüstung war nicht bloß Schutz, sondern die sichtbare Vollendung seines Handwerks. Wer ihn angriff, schlug gegen die Überzeugung eines Schmieds, dass alles Wertvolle erst dann vollkommen sei, wenn kein äußerer Wille mehr eine Spur darin hinterlassen könne.
Im Zentrum der Kammer stieg eine Säule glühender Hitze auf. Wurde Karsh hindurchgeführt, erwärmte sich sein Panzer und verlor für kurze Zeit seine Härte. Aus unbezwingbarem Metall wurde spröde Hülle. Doch jede zusätzliche Erhitzung ließ Feuer durch den Raum schlagen, sodass der einzige Weg zu seiner Verwundbarkeit zugleich alle in Gefahr brachte.
Zu viel Hitze zerbricht die Ordnung
Wer Karsh zu lange im Feuer hielt, löste eine gewaltige Welle aus und rief glühendes Quecksilber aus dem Boden. Der Kampf verlangte deshalb keinen blinden Mut, sondern Maß. Man musste den Schmied erhitzen, ohne seine Kammer in einen Ofen zu verwandeln, und zuschlagen, bevor der Panzer wieder erkaltete.
Karshs Kunst beruhte auf einem Wechsel aus Hitze und Abkühlung. Genau dieser Wechsel wurde sein Untergang. Der Stahlbieger hatte geglaubt, die Schmiede vollständig zu beherrschen, doch Feuer bleibt kein treuer Diener. Es macht Waffen möglich und kann im nächsten Augenblick die Gewissheit zerstören, auf der ihre Stärke beruht.
Mit Karsh fiel der Meister einer Produktionsstätte, die Cho'galls Anhänger für ihren größeren Krieg brauchten. Die Feuer brannten weiter, doch niemand stand mehr dort, um Quecksilber in verlässliche Klingen zu zwingen. Der Sieg nahm dem Schattenhammer nicht jede Waffe, wohl aber einen Mann, der aus seltenem Erz beständige Drohung zu machen verstand.