Die Schmiedin der Zaqali
Igira entstammte den Zaqali, einem kriegerischen Verband der Djaradin. Dieses uralte Volk lebte schon auf den Dracheninseln, als die Aspekte ihre Reiche formten, und machte die Jagd auf Drachen zu einem Teil seiner Kultur. Stärke galt unter den Zaqali nicht als Mittel zum Schutz, sondern als Recht auf Herrschaft. Gefangene, besiegte Feinde und selbst Verbündete wurden danach beurteilt, welchen Nutzen ihre Körper noch hatten.
Igira führte diese Vorstellung weiter als die meisten ihres Volkes. Sie war Schmiedin, Folterin und Befehlshaberin zugleich. Für sie entstand eine gute Waffe nicht nur aus Erz. Schmerz konnte einen Willen brechen, Zorn konnte eine Klinge schärfen und Angst einen Gegner schon vor dem ersten Schlag schwächen. Ihr Beiname war keine Übertreibung, sondern eine Beschreibung ihrer Methode.
Fyrakks neue Ordnung
Nachdem Fyrakk die Schattenflamme in Zaralek aufgenommen hatte, sammelte er jene um sich, die in seiner wachsenden Macht ihre eigene Zukunft sahen. Igira folgte ihm, weil er den Djaradin mehr versprach als einen weiteren Krieg gegen Drachen. Unter ihm konnten die Zaqali Teil einer Streitmacht werden, die den Smaragdgrünen Traum selbst angriff.
Für Fyrakk war Igira wertvoll, weil sie aus Gefangenen Werkzeuge machte. Knorrenwurzel bewies das. Sie ließ die Schattenflamme durch den Urtum strömen, bis sein Körper noch lebte, sein Wille aber nicht mehr frei war. Danach wartete sie hinter ihm auf jene, die das verdorbene Wesen erlösen mussten.
In Amirdrassil kämpfte Igira nicht wie eine Soldatin, die bloß einen Befehl ausführte. Sie behandelte den Schlachtplatz als Schmiede. Die Gefühle ihrer Gegner waren für sie Material: Furcht, Verzweiflung und Wut sollten sie gegeneinander treiben, während ihre Klingen und Werkzeuge die körperliche Arbeit vollendeten.
Damit verkörperte sie eine andere Seite von Fyrakks Krieg als der Inkarnierte selbst. Fyrakk war offene Vernichtung, ein Feuer, das alles verschlingen wollte. Igira war die planvolle Grausamkeit davor. Sie zeigte, wie Zerstörung vorbereitet wird, indem man Menschen und Wesen ihrer Würde beraubt und nur noch nach ihrem Nutzen für die Gewalt bemisst.
Das Ende einer Foltermeisterin
Mit Igiras Fall verloren die Zaqali ihre wichtigste Schmiedin im Traum. Ihre Niederlage konnte Knorrenwurzel nicht zurückbringen, verhinderte aber, dass weitere Wächter auf dieselbe Weise gebrochen wurden. Die Verteidiger nahmen Fyrakks Armee damit eine Frau, die selbst Niederlagen noch in neue Waffen verwandeln konnte.
Igira hinterließ keine große Lehre und suchte keine Rechtfertigung. Ihr Handeln war verständlich, weil es konsequent aus der Kultur hervorging, die sie gewählt und verschärft hatte. Wo andere in einem Gefangenen ein Leben sahen, sah sie Rohstoff. Der Kampf um Amirdrassil beendete ihre Arbeit, bevor der gesamte Traum zu ihrer Schmiede werden konnte.