Der Weg nach Die Blutigen Tiefen
Tief unter Revendreth lagen die Blutigen Tiefen, Gefängnis und Speicher zugleich. Denathrius ließ dort Seelen leiden, Anima sammeln und besonders wertvolle Gefangene verbergen. Als die Rebellion die Naaru Z'rali befreien wollte, führte der Weg an einem Anima verschlingenden Eindringling, einem sadistischen Wärter und einer Forscherin vorbei, die selbst das Licht ihres Gefangenen in eine beherrschbare Waffe verwandeln wollte. In Großaufseherin Beryllia nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Nur wenige waren alt genug, um zu wissen, ob Beryllia ihre rücksichtslose Art des Studiums erst in Revendreth gelernt hatte oder ob gerade diese Grausamkeit zu den Sünden gehörte, die sie niemals ablegte. Sie kannte Animaströme, Speicherung und Umwandlung mit außergewöhnlicher Genauigkeit. Doch Wissen beantwortete nicht die Frage, was ein Forscher seinem Gegenstand antun durfte. Beryllia löste diesen Widerspruch, indem sie Gefangene nicht mehr als Personen behandelte.
Denathrius hielt die Naaru Z'rali tief unter seinem Reich gefangen. Ein Wesen des Lichts war in Revendreths Dunkelheit nicht nur eine wertvolle Geisel. Es war ein Gegenstand, an dem sich untersuchen ließ, wie heilige Energie auf Anima, Schmerz und Kontrolle reagierte. Beryllia sah in Z'rali eine seltene Gelegenheit und machte aus jeder Qual eine weitere Messung.
Licht soll auf Befehl antworten
Die Großaufseherin wollte Z'ralis Kraft nicht einfach vernichten. Sie wollte sie beherrschen. Darin lag ein größerer Anspruch als Folter. Licht sollte seine eigene Bedeutung verlieren und nur noch dann scheinen, wenn Beryllias Versuch es verlangte. Der gefangene Naaru wurde damit nicht nur körperlich verletzt; seine innerste Natur sollte beweisen, dass selbst Hoffnung unter genügend Druck zu einem Werkzeug Denathrius' werden konnte.
Beryllia durchbohrte Ziele mit beschworenen Spitzen und entlud angesammelte Anima in einem Ritual der Vorherrschaft. Der Name verriet ihr Denken. Forschung war für sie kein Gespräch mit einer unbekannten Wirklichkeit, sondern Herrschaft über alles, was sich noch nicht erklären ließ. Widersetzte sich ein Ergebnis, erhöhte sie nicht ihre Geduld, sondern den Schmerz.
Z'rali verteilt Fragmente der Strahlung
Trotz der Gefangenschaft half Z'rali den Schlundgängern. Fragmente seines Lichts erschienen im Raum und schützten jene, die sie aufnahmen, vor der kommenden Entladung. Beryllia hatte die Naaru jahrelang als passives Untersuchungsobjekt behandelt. Nun antwortete das Licht nicht auf ihren Befehl, sondern auf die Nähe von Menschen, die Befreiung brachten. Jeder leuchtende Splitter widerlegte die behauptete vollständige Kontrolle.
Wenn Beryllia endlose Qual auf Z'rali richtete, brachen Wellen heiligen Lichts aus dem Gefangenen hervor. Die Energie war gefährlich, doch sie war nicht die gehorsame Waffe, die die Forscherin schaffen wollte. Sie trug den Schmerz ihres Ursprungs und zwang alle Anwesenden, ihn wahrzunehmen. Die Schlundgänger mussten überleben, ohne den Naaru für die Folgen seiner Folter verantwortlich zu machen.
So viel blieb unentdeckt
Beryllia starb mit Bedauern über all das, was noch zu entdecken gewesen wäre. Reue über Z'rali oder die anderen Gefangenen sprach sie nicht aus. Ihre Neugier war bis zuletzt von Verantwortung getrennt. Der Weg zur Befreiung der Naaru stand nun offen, und ihre Niederlage zeigte, was jede Forschung verliert, wenn sie Mitgefühl als störende Begrenzung betrachtet: Sie sammelt Ergebnisse, versteht aber nicht mehr, weshalb Wissen überhaupt einem Leben dienen sollte.