Der Weg nach Turm Utgarde
Im Turm Utgarde lagen die höchsten Hallen des Drachenschinderklans. Hier belohnte der Lichkönig bewährte Diener, hier froren die Vrykul bezwungene Kreaturen als Trophäen ein, und hier herrschte König Ymiron über ein Volk, das er erst in Schlaf und später in die Arme der Geißel geführt hatte. Der Aufstieg durch den Turm war deshalb zugleich ein Weg durch Stolz, Grausamkeit und die lange Schuld eines Königs. In Gortok Bleichhuf erhält ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt.
Magnatauren durchstreiften Nordend als riesenhafte, unberechenbare Gewalten. Einen wie Gortok lebend zu bezwingen verlangte mehr als eine gewöhnliche Jagd. Gerade deshalb töteten die Vrykul ihn nicht. Sein gefrorener Körper konnte jedem Besucher dauerhaft zeigen, welches Wesen der Drachenschinderklan unterworfen hatte.
Die Trophäenhalle verwechselt Leben mit Besitz
Gortok stand zwischen einem wilden Worgen, einem riesigen Jormungar, einem rasenden Furbolg und einem gewaltigen Rhinozeros. Jedes Wesen war in Stasis gehalten und zu einer Dekoration erklärt worden. Die Halle feierte keine Beziehung zwischen Jäger und Beute. Sie nahm lebenden Körpern Zeit und Freiheit, damit ihr Besitzer den Sieg immer wieder betrachten konnte.
Wer den Stasisgenerator aktivierte, wusste nicht genau, welche Trophäe zuerst erwachen würde. Eine nach der anderen brach aus der Starre: Klauen, Gift, Sturm und Hörner füllten den Raum. Die Sammlung erwies sich als Verteidigungssystem, obwohl sie als Ausstellung begonnen hatte. Der Stolz der Vrykul hatte genügend Gefahren an einem Ort versammelt, um jeden Eindringling zu prüfen.
Bleichhuf erwacht nach den anderen
Erst als mehrere Jagdtrophäen erneut besiegt waren, löste sich Gortoks Gefängnis. Der Magnataur trat nicht als Verbündeter seiner Befreier hervor. Jahrtausende oder Jahre der reglosen Ausstellung hatten keine gemeinsame Sache geschaffen. Er schlug auf das Leben ein, das ihm am nächsten stand, weil die Vrykul ihm außer Wut keine Rolle außerhalb des Eises gelassen hatten.
Gortoks verwelkendes Brüllen senkte die Lebenskraft aller in der Halle und wurde mit jeder Wiederholung gefährlicher. Speere rissen an entfernten Zielen, während seine Hiebe den Raum vor ihm spalteten. Der Kampf musste rasch enden. Die erwachte Trophäe bekam mit jedem Atemzug mehr Gelegenheit, aus der Erniedrigung ihrer Gefangenschaft neue Gewalt zu machen.
Freiheit ohne einen Ort, an den sie führen kann
Gortoks Tod bestätigte nicht die alte Behauptung der Vrykul, er sei nur Dekoration gewesen. Er zeigte vielmehr, was ihre Sammlung zerstört hatte. Sie bewahrten den Körper und nahmen ihm jede Zukunft. Als die Stasis brach, gab es keine Herde, kein Revier und keine vertraute Welt, zu der er zurückkehren konnte. Die Freiheit dauerte nur bis zum nächsten Kampf, weil seine Kerkermeister nie vorgesehen hatten, dass ein ausgestelltes Leben wieder weitergeht.