Der Weg nach Der Seelenschlund
Der Seelenschlund war Helyas düsteres Gegenreich zu Odyns Hallen der Tapferkeit. Verdammte Vrykul warteten an seiner Küste, bis die Naglfar sie über schwarze Wasser nach Helheim brachte. Wer gestohlene Seelen befreien und Helyas Macht brechen wollte, musste an Bord dieses Totenschiffs gelangen und eine Reise antreten, auf der selbst der eigene Geist zur Ladung werden konnte. In Ymiron, der gefallene König nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Ymiron führte die Vrykul Nordends mit einer Stärke, die Bewunderung und Furcht zugleich hervorrief. Seine Krieger sahen in ihm einen Herrscher, dessen Taten einen Platz in Odyns Hallen verdient hätten. Doch Ymiron genügte die Aussicht auf Ruhm nach dem Tod nicht. Er wollte bereits im Leben mehr Macht, als seine Krone und sein eigenes Können ihm geben konnten.
Der Lichkönig bot genau jene Abkürzung, nach der Ymiron suchte. Der Vrykulkönig stellte sein Volk in den Dienst der Geißel und gewann dunkle Macht, doch der Preis reichte über sein sterbliches Leben hinaus. Mit dem Bund verriet er die Werte, auf denen sein erhoffter Aufstieg beruhte. Das Tor der Tapferkeit misst nicht nur Stärke, sondern wofür sie eingesetzt wurde.
Die Hallen bleiben verschlossen
Als Abenteurer Ymiron in Utgarde besiegten, erwartete ihn keine Aufnahme unter Odyns Valarjar. Die goldenen Hallen waren ihm verschlossen. Ein König, der geglaubt hatte, selbst über sein Schicksal bestimmen zu können, fand sich an Helyas Küste wieder. Dort verlor der Titel seinen Glanz; übrig blieb eine verdammte Seele unter vielen, die auf die Naglfar warteten.
Ymiron empfing die Verfolger mit Nordwindsböen, dunklen Flüchen und dem Schrei der Toten. Aus dem Boden rief er gefallene Krieger, als könne selbst im Fegefeuer noch ein Hofstaat seinen Anspruch bestätigen. Schattenhafte Verderbnis kreiste um ihn und explodierte bei Berührung. Seine alte Königsmacht war zu einer Herrschaft über jene geworden, die ebenso wenig Ruhe fanden wie er.
Macht ohne Ziel
Jeder Schlag zeigte, dass Ymiron noch immer ein gewaltiger Krieger war. Gerade darin lag die Tragödie. Er hätte Tapferkeit nicht kaufen müssen; er besaß sie bereits. Seine Gier hatte die vorhandene Größe entwertet und ihn an Mächte gebunden, die nie vorhatten, ihn als Gleichgestellten zu behandeln. Im Seelenschlund kämpfte er nicht für sein Volk, sondern gegen jeden, der an seinem Scheitern vorbeiging.
Ymiron fiel erneut, diesmal an der Schwelle zu Helyas Reich. Sein Ende öffnete den Weg zur Naglfar, aber nicht rückwirkend die Hallen, die er verspielt hatte. Der gefallene König hinterließ eine Warnung an jeden, der Ruhm durch fremde Macht erzwingen will: Ein Ziel kann gerade durch die Abkürzung unerreichbar werden, die es am schnellsten verspricht.