Der Weg nach Rückkehr nach Karazhan
Karazhan war nie nur ein Turm. In seinen Hallen lagen Medivhs Erinnerungen, die Magie der Wächter und Risse in Raum und Zeit so dicht beieinander, dass eine Bühne zur Wirklichkeit und ein harmloser Manawyrm zur Katastrophe werden konnte. Als die Brennende Legion zurückkehrte, wollte sie dieses verwundete Gedächtnis nicht zerstören, sondern als Tor zu bereits eroberten Welten benutzen. In Der Opernsaal: Westfall Story nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Barnes begrüßte sein Publikum zu einer Geschichte über zwei Liebende, die auf verschiedenen Seiten des Späherhügels geboren worden waren. Generationen der Feindschaft sollten sie trennen, Tanz und Gewalt brachten sie dennoch zusammen. Die Bühne benutzte Namen und Bilder aus Westfall, ohne eine nüchterne Chronik des Landes zu sein. Sie verdichtete Armut, Bandenstolz und Misstrauen zu einem Abend, an dem jeder Schritt zugleich Angriff und Liebeserklärung werden konnte.
Warum Westfall genügend Stoff für eine Tragödie bot
Westfall kannte den Zorn der Defias, deren Vorgeschichte aus unbezahlter Arbeit, politischer Verhärtung und späterem Verbrechen entstanden war. Genau diese Erinnerung verlieh der Bühnenbande Gewicht. Das Stück erzählte ihre Geschichte nicht nach, sondern lieh sich die vertraute Wunde: Menschen, die ihren Platz in einer Ordnung verloren hatten, klammerten sich an eine Gemeinschaft, deren Zugehörigkeit bald wichtiger wurde als jedes einzelne Leben.
Jettony führte die Defiasbruderschaft mit schnellen Sprüngen und brennenden Fußfegern. Wo er über die Bühne raste, blieben Flammenwirbel zurück. Seine Bewegung wirkte wie Trotz gegen eine Welt, die ihm längst eine Rolle zugeteilt hatte. Die Grobiane seiner Bande kamen aus dem Schatten, setzten vergiftete Klingen und schützten ihren Anführer, bis dessen selbstsicherer Tanz mehr wie eine Mauer als wie Freiheit erschien.
Mrrgria antwortet mit Wasser
Dann gehörte der Saal den Flossen. Mrrgria sprach in der Sprache der Murlocs, die Jettony nicht übersetzen konnte und dennoch zu verstehen glaubte. Küstensprecher ließen Wasserblasen über die Bühne treiben, während Wellen von den Rändern hereinbrachen. Ihre Magie war kein stilles Gegenbild zum Feuer. Sie besaß denselben Stolz, dieselbe Kraft und eine eigene Gemeinschaft, die fremde Eindringlinge ebenso entschieden zurückwies.
Zuerst kämpften die Defias, danach die Flossen. Jede Gruppe glaubte, der Saal müsse ihr gehören. Erst als beide Reihen gefallen waren, standen Jettony und Mrrgria gemeinsam im Licht. Der Aufbau des Stücks entlarvte den Bandenkrieg als Wiederholung: Beide Seiten schützten ihre Namen, schickten ihre Gefährten vor und bemerkten zu spät, dass ihre Anführer längst etwas ineinander erkannt hatten, das keine Grenze erklären konnte.
Liebe braucht keinen Übersetzer, aber Aufmerksamkeit
Mrrgrias Antworten blieben für menschliche Ohren ein Murmeln, doch Jettony hörte in ihnen Zustimmung, Zweifel und Zukunft. Ihre Nähe hob die Unterschiede nicht auf. Feuerstürme und Donnerrituale mussten weiterhin so geführt werden, dass sie nicht Freunde und Geliebte trafen. Gerade darin lag der ernstere Kern der Komödie: Verstehen bedeutete nicht, dass beide dasselbe sagten, sondern dass jeder seine Macht so gebrauchte, dass der andere neben ihm bestehen konnte.
Im letzten Bild stellten sich Jettony und Mrrgria gemeinsam gegen die Welt. Ihr Ende blieb tragisch, doch der Vorhang gehörte nicht den Banden. Er gehörte zwei Namen, die einander ausgesprochen hatten, obwohl nur einer von ihnen die Worte des anderen verstand. Karazhan machte daraus keine Lehre über eine tatsächliche Allianz zwischen Defias und Murlocs. Die Bühne zeigte vielmehr, wie klein ererbte Feindschaften werden können, sobald zwei Menschen einander nicht mehr als Vertreter ihrer Gruppen ansehen.