Der Weg nach Dämmerung des Ewigen
In der Dämmerung des Ewigen brach der Ewige Drachenschwarm in die Vergangenheit ein, um Nozdormus gefürchtete Verwandlung in Murozond zu erzwingen. Chromie und die Gefährten folgten den Eindringlingen durch verletzte Zeitwege. Hinter deren offenem Angriff verfolgte Iridikron jedoch einen zweiten Plan: An Galakronds Leiche wollte er eine verderbte Macht gewinnen, die weit über den Kampf der Drachenschwärme hinausreichte. In Chronikar nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Der Ewige Drachenschwarm entstand aus Zeitwegen, in denen der bronzene Aspekt Nozdormu zu Murozond wurde. Für seine Anhänger war diese Verwandlung keine Katastrophe, sondern der Beginn einer Ordnung, in der die von den Titanen bewahrte Zeitlinie ihren alleinigen Anspruch verlor. Als sie in die Vergangenheit einbrachen, wollten sie jenen Morgen erzwingen, den die wahre Zeitlinie ihnen immer wieder verweigerte.
Ein ganzes Leben im Dienst
Chronikar hatte nicht erst für diesen Angriff die Farbe der Ewigen angenommen. Ihr gesamtes Leben war ihrem Schwarm gewidmet. Sie stieg durch seine Ränge auf, bis sie eine Kommandantin wurde, der selbst radikale Ewige mit Respekt begegneten. Wo andere aus Furcht vor einem bestimmten Schicksal handelten, war ihr Fanatismus längst zu einer vollständigen Identität geworden.
Während die Hauptmacht tiefer in die Zeitwege vordrang, blieb Chronikar zurück. Ihre Aufgabe war nicht, den großen Wandel selbst herbeizuführen. Sie sollte verhindern, dass Nozdormu, Chromie und die Gefährten den Eindringlingen folgten. Eine Nachhut gewinnt nicht, indem sie Geschichte schreibt; sie gewinnt, indem sie allen anderen genügend Zeit verschafft, dies ungestört zu tun.
Chronikar behandelte den Durchgang durch das Sanktum der Chronologie wie eine Grenze, die nur durch ihren Tod überschritten werden durfte. Sie rief den kommenden Aufstieg Murozonds aus und versprach, selbst die Zeit könne sie nicht aufhalten. In diesem Satz lag der Widerspruch ihres Glaubens: Sie diente einer Macht über Zeitwege und setzte doch darauf, dass bloßer Wille stärker sei als jede mögliche Veränderung.
Welksand unter den Füßen
Mit schweren Tritten ließ die Kommandantin Sandflächen entstehen, in denen Bewegung und Handeln langsamer wurden. Der Boden schien nicht einfach zu brennen; er ließ den Augenblick selbst altern. Je länger der Kampf dauerte, desto mehr Wege verschwanden unter diesen welken Zonen. Die Nachhut machte aus Raum verlorene Zeit.
Chronikars Axt traf nicht nur Fleisch und Rüstung. Ihr Chronoschlag verdrehte die Zeitlinie des Opfers, nahm ihm einen Teil seiner Heilung und hinterließ eine abgeschnittene Lebensspanne, die jeden weiteren Treffer gefährlicher machte. Erst wenn die aufgenommene Last ausgeheilt war, ließ sich die zeitliche Wunde lösen. Ein Körper musste gewissermaßen jene Zukunft zurückerhalten, die der Hieb ihm geraubt hatte.
Bei voller Kraft sprang Chronikar auf einen Gefährten zu und zertrümmerte den Augenblick ihres Aufpralls. Rückstände und Fragmente der Zeit breiteten sich aus. Blieb ein Stück unaufgefangen, entlud es sich gegen alle; stellte sich jemand hinein, nahm dieser Mensch die Gefahr auf sich. Die Gruppe musste damit genau das tun, was Chronikar verachtete: Verantwortung verteilen, statt sich einem einzigen unerbittlichen Willen zu unterwerfen.
Das Ende der Verzögerung
Chronikar fiel, doch ihre Aufgabe war bis zu diesem Augenblick erfüllt gewesen. Jeder Schlagabtausch hatte den Ewigen einen Vorsprung verschafft. Nozdormu und Chromie konnten die weiteren Verstärkungen binden, während die Gefährten endlich tiefer in die verletzten Zeitwege eilten. Dort wartete kein weiterer Soldat, sondern eine viel ältere Hüterin, die in allen Eindringlingen dieselbe Gefahr sah.
Chronikars Geschichte war kurz, weil sie selbst keinen anderen Weg zuließ. Ihr fehlte weder Mut noch Ausdauer. Was ihr fehlte, war der Zweifel, der Treue davor bewahrt, zur blinden Verlängerung eines fremden Plans zu werden. Sie starb für Murozonds Zukunft, ohne je zu fragen, welchen Platz sie in einer Welt gehabt hätte, in der ihr ersehnter Morgen tatsächlich anbrach.