Der Weg nach Brackenfellhöhle
In der Brackenfellhöhle sammelten sich die stärksten Gnolle des Azurblauen Gebirges unter Faultriarchin Zornauge. Ihre Überfälle bedrohten die Tuskarr von Iskaara, doch Raub und Jagd waren nur die sichtbare Oberfläche. Im Inneren verbreitete Zornauge Verfallsmagie unter ihrem Stamm und wollte aus Hunger, Krankheit und Fäulnis eine Macht formen, die schließlich das ganze Gebirge verschlingen konnte. In Baummaul nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Bevor die Gnolle ihm den Namen Baummaul gaben, war das Wesen ein Urtum: ein lebendiger Hüter aus Holz, Blattwerk und uralter Naturmagie. Solche Geschöpfe tragen das Gedächtnis eines Ortes in ihren Jahresringen. Sie wachsen langsam, schützen lange und sehen Generationen sterblicher Völker kommen und gehen. Zornauges Verfall nahm deshalb nicht bloß einen großen Körper in Besitz, sondern entstellte einen Zeugen des Gebirges.
Fäulnis in Zweigen und Gedanken
Die Verderbnis kroch zuerst durch Rinde und Äste. Holz wurde weich, Blätter starben, und in offenen Wunden sammelte sich fauliger Schlamm. Schließlich erreichte der Verfall den Geist. Von der früheren Würde blieb kein klarer Wille zurück, nur Hunger und der Drang, dieselbe Fäulnis weiterzugeben. Baummaul war nicht Zornauges überzeugter Diener. Es war der Beweis, dass ihre Magie selbst Identität in einen einzigen Trieb zerlegen konnte.
Die Brackenfellgnolle tauften das Urtum nach dem gewaltigen Schlund, zu dem sein Leib geworden war. Der Name verspottete alles, was es zuvor gewesen sein mochte. Wo andere einen gefallenen Hüter oder ein Opfer erkannt hätten, sahen sie eine nützliche Kreatur, die Eindringlinge verschlang und die Höhle mit Verfall füllte. Benennen bedeutete hier Besitz ergreifen.
Baummaul stieß verfaulte Schleime aus, die über den Boden krochen und beim Tod in Lachen zerbarsten. Jeder besiegte Auswuchs hinterließ damit neue Krankheit. Der Kampfplatz wurde zum Abbild seines Körpers: Selbst entfernte Fäulnis verwandelte sich nur in eine andere Form des Verfalls. Die Gefährten mussten entscheiden, wo sie die Schleime zerschlugen, damit der verbleibende Raum nicht unter ihnen verschwand.
Greifende Ranken
Wenn Baummauls Hunger anwuchs, schossen Ranken über den Boden und zogen alle Körper zu seinem Stamm. Die Bewegung war die verzerrte Erinnerung eines Baumes, der einst mit Wurzeln Halt gegeben hatte. Nun dienten dieselben Glieder dazu, Beute an einen offenen Schlund zu reißen. Wer ihm am nächsten kam, wurde verschluckt und verschwand im faulenden Inneren.
Baummaul gab ein verschlungenes Opfer nicht freiwillig frei. Die übrigen Gefährten mussten seine schützende Masse durchbrechen, bevor Verdauung und Verfall den Eingeschlossenen töteten. Ein Misserfolg ließ das Urtum in ausgehungerte Raserei fallen. Rettung war deshalb keine Nebenaufgabe. Sie war der Mittelpunkt eines Kampfes gegen eine Kreatur, die Menschen bereits als Nahrung und Träger neuer Fäulnis betrachtete.
Das Ende ist keine Heilung
Als Baummaul fiel, wurde das Urtum nicht in seine frühere Gestalt zurückgeführt. Der Verfall ließ sich nicht aus jedem Jahresring schneiden, und der Geist, den er zerstört hatte, kehrte nicht zurück. Die Gefährten beendeten sein Leiden, aber sie retteten den alten Hüter nicht. Gerade dieser Unterschied machte Zornauges Werk furchtbarer als eine gewöhnliche Wunde.
Baummaul zeigte, was das Azurblaue Gebirge erwartete, wenn die Faultriarchin ungehindert blieb. Wald, Tiere und Völker würden nicht einfach sterben. Sie würden weiterleben, entstellt und hungrig, und den Verfall selbst verbreiten. Hinter dem gefallenen Urtum wartete Bauchschuss mit ihren Jägern. Zornauge hatte Natur bereits in eine Bestie verwandelt; nun setzte sie ausgebildete Gewalt ein, um ihr Reich zu sichern.