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Der Kerzenkönig
Bosse

Der Kerzenkönig

Der Kerzenkönig herrschte tyrannisch über ein Koboldreich, bis eine Fremde seine Krone stahl. Tief im Dunkelflammenspalt sammelt der Gestürzte Wut und Wachs für eine Rückkehr, die seine Untertanen erneut in die Minen zwingen würde.

Der Weg nach Dunkelflammenspalt

Kobolde tragen Kerzen nicht aus kindischer Furcht, sondern weil sie wissen, was jenseits ihres Lichtkreises wartet. Im Dunkelflammenspalt wurde diese alte Vorsicht zur Lebensordnung. Ein gestürzter König, fanatische Diener und eine Finsternis ohne festen Körper rangen dort um Dochte, Wärme und die Deutungshoheit über die Angst eines ganzen Volkes. Der Kerzenkönig steht an einer Stelle dieser Entwicklung, an der sich die große Krise des Ortes in einem einzelnen Leben oder Körper verdichtet.

Der Kerzenkönig baute seine Herrschaft auf einer einfachen Wahrheit der Kobolde auf: Wer das Licht kontrolliert, kontrolliert die Wege durch die Tiefe. Unter seiner Krone schufteten Untertanen in Minen, förderten Wachs und hielten ein Reich am Brennen, dessen Wärme vor allem dem Thron zugutekam. Gehorsam wurde als Schutz verkauft, obwohl gerade die Herrschaft das Leben vieler Kobolde verzehrte.

Der Diebstahl, der einen König stürzte

Eine Fremde aus weiter Ferne nahm ihm die Krone und damit mehr als ein Schmuckstück. Ohne ihr sichtbares Zeichen zerfiel die Gewissheit, auf der sein Befehl beruht hatte. Der König wurde abgesetzt und zog sich in den Dunkelflammenspalt zurück. Dort lernte er nichts aus dem Verlust. Er deutete ihn nur als Beleidigung, die durch eine noch härtere Rückkehr beantwortet werden müsse.

Tief im Spalt umgab sich der Kerzenkönig mit Wachs, Dienern und den Resten seiner alten Ansprüche. Er formte Figuren, schleuderte Flammen und ließ den Boden selbst zu seinem Thronsaal werden. Jede Kerze schien seinen Willen zu tragen. Wer gegen ihn kämpfte, musste nicht nur einen Körper brechen, sondern eine ganze kleine Welt, in der der Gestürzte noch immer so tat, als hätte niemand das Recht, Nein zu sagen.

Herrschaft als Besitz

Der Kerzenkönig konnte sich ein Reich ohne seine Person nicht vorstellen. Dass die Kobolde nach seinem Sturz weiterlebten, war für ihn kein Beweis ihrer Freiheit, sondern Diebstahl an seinem Eigentum. Darin liegt seine Tyrannei deutlicher als in jeder Strafe: Untertanen waren für ihn keine Gemeinschaft, sondern etwas, das zusammen mit Krone, Mine und Wachs zu seinem Bestand gehörte.

Seine Niederlage nahm dem Anspruch auf Rückkehr den letzten Träger. Die Kobolde waren damit nicht vor der Finsternis gerettet, doch sie mussten auch nicht länger fürchten, erneut unter dieselbe Krone gezwungen zu werden. Der Spalt blieb gefährlich. Zumindest eine Gefahr hatte nun einen Schluss gefunden: Ein König, der aus seinem Fall nur Rache gelernt hatte, konnte kein zweites Reich mehr entzünden.