Das Herz der Schallenden Tiefen
Gundargaz liegt tief unter Khaz Algar und bildet das industrielle Zentrum der Irdenen. Werkhallen, Schmelzen und gewaltige Maschinen prägen die Stadt. Von hier aus überwachten die Maschinenredner jene Systeme, die den titanischen Auftrag der Irdenen sichern sollten. Erze wurden verarbeitet, Anlagen gewartet und Arbeitsgruppen nach Aufgaben geordnet. Über lange Zeit schien diese Ordnung selbstverständlich, weil sie den Bewohnern zusammen mit ihrer Erschaffung gegeben worden war.
An der Spitze der Stadt stand die Versammlung der Tiefen. Sie verband unterschiedliche Gruppen der Irdenen und sollte Entscheidungen treffen, wenn die alten Anweisungen keine eindeutige Antwort mehr gaben. Doch genau dieses Problem wurde mit der Zeit größer. Der titanische Erlass, der Zweck und Verhalten der Irdenen bestimmt hatte, schwächte sich ab. Manche hielten umso fester an ihm fest, andere begannen zu fragen, ob ein Volk für immer an die Absicht seiner Schöpfer gebunden bleiben müsse.
Stasis, Erwachen und verlorene Stimmen
Viele Irdene durchliefen einen Stasiszyklus, der ihre Körper erneuern sollte. Nicht alle kehrten daraus unverändert zurück. Erinnerungen konnten verblassen, Persönlichkeiten verloren gehen oder ganze Gruppen ausfallen. In Gundargaz erinnern Mahnmale an jene, die nicht wieder erwachten. Damit erhielt der scheinbar technische Vorgang eine menschliche Bedeutung: Hinter jeder Fehlfunktion stand ein Bewohner, dessen Stimme und Beziehungen nicht durch einen Ersatzkörper wiederhergestellt werden konnten.
Maschinensprecherin Brinthe trug besondere Verantwortung für diese Systeme. Sie verstand die alten Anlagen besser als die meisten anderen, musste aber erleben, dass Wissen keine vollständige Kontrolle garantierte. Die Störungen in den Tiefen zeigten, dass Gundargaz nicht allein durch Wartung gerettet werden konnte. Die Stadt brauchte Entscheidungen, für die es keinen unveränderten titanischen Befehl mehr gab.
Xal'ataths Krieg erreicht die Stadt
Mit Xal'ataths Angriff auf Khaz Algar geriet Gundargaz in offene Gefahr. Kobolde wurden durch die Dunkelheit und die Versprechen der Leere aufgewiegelt, Maschinen fielen aus und Verkehrswege wurden bedroht. Die Feindin griff nicht nur Mauern an. Sie suchte die Unsicherheit eines Volkes, dessen alte Gewissheiten bereits brüchig geworden waren. Wenn die Irdenen ihren Zweck verloren, konnten Angst und Verzweiflung leichter an die Stelle gemeinsamer Verantwortung treten.
Brinthe, die Versammlung und ihre Verbündeten mussten die Stadt deshalb zugleich verteidigen und neu ordnen. Die Kämpfe führten durch Minen, Werkstätten und Anlagen, von denen das Leben der gesamten Region abhing. Ein Sieg an einem Tor genügte nicht, wenn Pumpen, Förderwege oder die Erwachensmaschine versagten. Gundargaz zeigte, dass ein unterirdisches Reich nicht nur von Kriegern gehalten wird, sondern von zahllosen Bewohnern, die sein kompliziertes Gefüge am Laufen halten.
Dagran und die Frage nach dem eigenen Weg
Der junge Dagran Thaurissan II. kam als Forscher nach Khaz Algar. Als Erbe von Dunkeleisen- und Bronzebartzergen erkannte er in den Irdenen einen Teil der lange verdrängten Herkunft seines eigenen Volkes. Er begegnete ihnen jedoch nicht als Besitzer eines alten Erbes. Seine Neugier half dabei, Maschinen und Überlieferungen zu verstehen, während die Irdenen selbst entschieden, welche Bedeutung diese Vergangenheit für sie haben sollte.
Gundargaz wurde so zum Schauplatz einer grundlegenden Veränderung. Die Stadt blieb voller titanischer Technik, aber ihre Bewohner waren nicht mehr bloß deren Diener. Sie trauerten um Verlorene, schlossen neue Bündnisse und begannen, aus Erinnerung und Erfahrung eigene Maßstäbe zu entwickeln. Zwischen Werkhallen und alten Befehlen entstand langsam die Vorstellung, dass ein erschaffenes Volk seinen Zweck nicht nur empfangen, sondern selbst bestimmen kann.