Ein gefährdeter Randbezirk Heilsturz'
Morgaens Tränen liegt im Südwesten Heilsturz', zwischen der Küste, den Verehrungsgründen und den Wegen zum Priorat der Heiligen Flamme. Das Gebiet besteht aus feuchten Senken, offenen Grasflächen und Wegen, die sich nur schwer gegen Angriffe aus dem Wasser sichern lassen. Kobyss hatten sich dort festgesetzt. Diese amphibischen Räuber nutzen Höhlen und dunkle Gewässer als Rückzugsorte, verschleppen Bewohner und greifen besonders dann an, wenn Beledars Licht erlischt. Für die Arathi blieb der Landstrich deshalb selbst dann gefährlich, wenn an anderen Fronten gerade Ruhe herrschte.
Generalin Stahlschlag schickte Baron Braunpyke und dessen Bruder in die Gegend, um den anhaltenden Kobyss-Angriffen nahe den Verehrungsgründen ein Ende zu setzen. Ihre Aufgabe beginnt nicht mit einer großen Schlacht, sondern mit dem mühsamen Säubern eines umkämpften Randgebietes. Der gefürchtete Dreadfang führt die dortigen Kobyss an. Erst nachdem seine Macht gebrochen ist, führt der Weg der Brüder weiter zum Priorat, wo sich eine viel persönlichere Tragödie entfaltet. Morgaens Tränen bildet damit den Anfang einer Geschichte über zwei Brüder, deren Kampf gegen äußere Feinde schließlich von Glauben, Schuld und Verlust innerhalb der eigenen Gemeinschaft überschattet wird.
Nach Ansureks Tod endet der Krieg nicht
Als Königin Ansurek fällt, zerbricht die Führung ihres Reiches, doch die Sureki verschwinden nicht. Anhänger der Königin wollen ihren Tod rächen und setzen die Angriffe auf Heilsturz fort. Gleichzeitig ist die arathische Armee über mehrere Fronten verteilt. Sie kann nicht jede Siedlung und jeden Weg mit regulären Soldaten schützen. Aus dieser Not entsteht bei Morgaens Tränen eine neue Bewegung: die Flammenstrahlen. Ihr Name geht auf eine alte Legende des Kaiserreichs zurück. Darin zieht die Kaiserin mit ihrem Heer in den Krieg und lässt das Land ungeschützt zurück. Als Feinde im Inneren aufstehen, retten nicht die abwesenden Armeen das Reich, sondern Veteranen, Bauern und Handwerker. Sie holen alte Rüstungen hervor, entzünden erloschene Fackeln und halten stand, bis das Heer zurückkehrt.
Nach der Legende erklärte die Kaiserin diesen Zusammenschluss zu einem heiligen Versprechen. Wenn das Licht des Reiches schwach wird oder verschwindet, sollen die Menschen einander sammeln und die Dunkelheit selbst zurückdrängen. In Heilsturz wird dieses alte Ideal zu einer unmittelbaren Notwendigkeit. Pensionierte Soldaten stehen neben Bewohnern, die zuvor nie Teil eines Heeres waren. Thaed Pyremaker und Mylton Wyldbraun organisieren den Widerstand, während Morgaens Tränen zum Lager, Sammelplatz und Ausgangspunkt ihrer Einsätze wird. Die Verteidigung des Landes ruht damit nicht länger ausschließlich auf Stahlschlags Armee.
Der Nachtsturz
Die verbliebenen Sureki greifen in Wellen an. Späher melden Ziele, kleine Gruppen sichern Wege, und die Flammenstrahlen müssen gleichzeitig Verwundete schützen, Vorräte bewahren und gegnerische Stellungen aufbrechen. Dieser Nachtsturz ist kein einzelner entscheidender Angriff. Er ist ein zermürbender Kampf, der jederzeit von Neuem beginnen kann. Gerade darin liegt die Bedeutung des Bürgeraufgebots. Ein reguläres Heer könnte an einem Tag einen Sieg erringen und am nächsten an einer anderen Front gebraucht werden. Die Flammenstrahlen bleiben, weil ihre Mitglieder ihre eigenen Höfe, Werkstätten und Familien verteidigen.
Am Ende größerer Angriffe führen die Sureki mächtige Champions ins Feld. Anub'Ranax gehört zu ihnen, ebenso Ahn'tak und Azj-Tak der Gigant. Diese Gegner sind nicht bloß zufällige Ungeheuer. Sie verkörpern den Versuch der alten Hoftruppen, auch ohne Ansurek weiter als organisierte Macht aufzutreten. Wenn die Verteidiger einen solchen Champion besiegen, gewinnen sie Zeit, aber keinen endgültigen Frieden. Thaed erinnert seine Leute deshalb nach jedem Erfolg daran, wachsam zu bleiben. Die Feinde ziehen sich zurück, sammeln sich neu und suchen eine weitere Lücke in der Verteidigung.
Die Flamme gehört nicht nur dem Heer
Morgaens Tränen verändert durch diesen Krieg seine Bedeutung. Aus einem von Kobyss beherrschten Randgebiet wird der Ort, an dem die Bewohner Heilsturz' selbst Verantwortung übernehmen. Die Flammenstrahlen ersetzen die Armee nicht und lösen auch nicht jeden Konflikt. Ihre Existenz zeigt jedoch, dass ein Reich nicht allein durch Befehle von oben zusammengehalten wird. Das Licht, auf das sich die Arathi berufen, muss im entscheidenden Augenblick von konkreten Menschen getragen werden: von Veteranen, die noch einmal eine Rüstung anlegen, von Handwerkern, die Befestigungen reparieren, und von Bauern, die den Weg zu ihrem eigenen Feld verteidigen.
Diese Entwicklung schließt an die frühere Geschichte des Ortes an. Schon Baron Braunpyke und sein Bruder waren nach Morgaens Tränen gekommen, weil eine scheinbar nebensächliche Gefahr nicht von selbst verschwinden würde. Später gilt dasselbe für die Sureki. Ansureks Tod beendet ihre Herrschaft, aber nicht die Folgen ihres Krieges. Der Ort erinnert deshalb daran, dass große Siege meist nur einen Teil der Arbeit leisten. Danach müssen Siedlungen gesichert, Tote betrauert und jene Gegner aufgehalten werden, die im Schatten der gefallenen Anführer weiterkämpfen. In Morgaens Tränen übernimmt diese Aufgabe nicht eine neue Königin und kein fremdes Heer, sondern die Bevölkerung Heilsturz' selbst.