Der Weg nach Der Tempel von Sethraliss
Der Tempel von Sethraliss war Grabmal, Heiligtum und Hoffnung der ergebenen Sethrak. Während General Jakra'zet und seine Ungläubigen Mythrax dienten, drangen ihre Anhänger bis zum Herzen der gefallenen Loa vor. Jeder Wächter auf dem Weg dorthin zeigte, wie gründlich ein heiliger Ort gegen seine eigene Wiedergeburt gewendet worden war. In Merektha nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Die Ungläubigen besetzten den Tempel nicht nur mit Soldaten. In seinen Kammern betrieben sie Versuche, aus Schlangen eine Armee unaufhaltsamer Bestien hervorzubringen. Ein Ort, der Sethraliss' Leib und die Hoffnung auf neues Leben bewahren sollte, wurde zur Brutstätte erzwungener Formen. Merektha war das mächtigste Ergebnis dieser Arbeit und zugleich Mutter weiterer Geschöpfe, die denselben Zweck erfüllen sollten.
Eine Mutter unter fremdem Auftrag
Merektha brauchte keine Rede über Jakra'zet oder Mythrax. Ihr Gelege lag vor ihr, und jeder warme Körper konnte Nahrung für die schlüpfenden Jungen werden. Dieser Trieb machte sie für die Ungläubigen verlässlich. Sie mussten keine politische Treue fordern, solange sie Brut, Raum und Opfer bereitstellten. Aus Fürsorge für die eigenen Nachkommen wurde so eine Waffe gegen alle, die den Tempel reinigen wollten.
Kaum begann die Schlacht, regte sich das Gelege. Giftige Nattern und sandverkrustete Schlangen brachen hervor. Einige trugen Gifte, die immer tiefer in den Körper drangen. Andere verbargen sich in Staubwolken und entzogen sich jedem klaren Schlag. Merektha kämpfte nicht neben einer fertigen Armee. Ihre Armee entstand vor den Augen der Eindringlinge, Ei um Ei, Atemzug um Atemzug.
Merektha grub sich in den Boden und schoss unter dem Sand durch die Kammer. Ihr gewaltiger Körper verschwand, ohne dass die Gefahr kleiner wurde. Man sah nur die Richtung der Bewegung und musste ihr ausweichen, bevor sie wieder hervorbrach. Der Tempelboden gehörte damit ebenso zu ihr wie ihr Gift. Wo andere Wächter eine Tür hielten, machte Merektha den ganzen Raum zu einem Nest.
Ein Knoten aus Schlangen
Kleine Schlangen wanden sich um einzelne Menschen, schnürten Arme und Atem ab und machten jede eigene Handlung unmöglich. Nur Gefährten konnten den Knoten lösen oder die Tiere mit einem gezielten Stoß auseinanderbrechen. Die Brut zeigte ihre Stärke nicht allein durch Größe. Viele kleine Körper konnten gemeinsam einen Krieger fesseln, während die Mutter bereits den nächsten Angriff vorbereitete.
Merektha schleuderte blendenden Sand in alle Richtungen. Wer ihr in diesem Augenblick zugewandt blieb, verlor die Sicht. Der Reflex, den großen Feind nicht aus den Augen zu lassen, wurde zur Falle. Überleben verlangte Vertrauen in Warnung und Rhythmus: den Blick rechtzeitig abwenden, obwohl Eier knackten, Schlangen zischten und die Mutter jeden Moment wieder aus dem Boden brechen konnte.
Das Gelege bleibt ohne Mutter zurück
Mit Merekthas Tod endete der Versuch, ihre Brut gegen die Retter einzusetzen. Was in den Kammern zurückblieb, war dennoch ein Zeichen der Entweihung. Die Ungläubigen hatten Leben nicht bewahrt, sondern nach Nützlichkeit geformt. Weiter im Tempel wartete Galvazzt, ein anderes misslungenes Kind derselben Verderbnis: kein gezüchtetes Tier, sondern ein Elementar, den Sethraliss' verdrehte Blitzmacht hervorgebracht hatte.