Ehre und StärkeBlackmoore
Ivanyr
Bosse

Ivanyr

Vom Nachtbrunnen abgeschnitten, wanderte Ivanyr verdorrend durch den Arkus, bis er unter Suramars Bibliothek ein geheimes Archiv fand. Er entzifferte die Folianten fieberhaft und nährte seinen Körper mit der Magie alter Relikte. Die Energie hielt ihn am Leben, während sein Geist an jedem weiteren Tag ein wenig mehr zerbrach.

Der Weg nach Der Arkus

Der Arkus bildete unter Suramar ein Netz aus Tunneln, Leitungen, Archiven und uralten Wegen. Durch ihn floss Energie des Nachtbrunnens in die Stadt. Nachtsüchtige suchten dort Zugang für ihren Aufstand, doch Verdorrte, Konstrukte, veränderte Tiere und eine verborgene Invasionsarmee machten das Versorgungssystem zu einem eigenen Schlachtfeld unter Elisandes glänzender Hauptstadt. In Ivanyr nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.

Für einen Nachtgeborenen bedeutete der Verlust des Nachtbrunnens nicht nur Verbannung aus der Gesellschaft. Körper und Geist waren über Jahrtausende von seiner Energie abhängig geworden. Ivanyr begann zu verdorren, als diese Versorgung endete. Die glänzende Stadt über ihm blieb nah, doch jeder Tunnel trennte ihn weiter von dem Strom, der sein früheres Leben zusammengehalten hatte.

Ziellos im dunklen Arkus

Ivanyr wanderte durch Leitungen und vergessene Räume, ohne ein Ziel, das über den nächsten Tag hinausreichte. Der Arkus war für Suramar ein geordnetes System, für einen Verbannten jedoch ein Labyrinth unter jener Gesellschaft, die ihn nicht mehr sehen wollte. Dunkelheit und Hunger nahmen ihm allmählich die Fähigkeit, an etwas anderes als arkanen Nachschub zu denken.

An den Grundmauern der großen Bibliothek fand er ein verborgenes Archiv. Folianten und Relikte enthielten Wissen und gespeicherte Macht. Ivanyr begann, die Texte mit fieberhafter Hingabe zu entschlüsseln. Vielleicht suchte er zuerst eine Heilung. Bald wurde das Lesen selbst zum Kreislauf aus Hoffnung, Energiegewinn und immer neuer Abhängigkeit.

Relikte ernähren den Körper

Die Gegenstände im Archiv gaben genug Magie ab, um den körperlichen Verfall zu bremsen. Ivanyr zapfte Nachtkristalle an und lud sich mit ihrer Kraft auf. Jeder ununterbrochene Strom machte ihn stärker. Doch die Energie ersetzte Nahrung nur unvollständig. Sie füllte seine Adern, ohne dem Geist Ruhe, Gemeinschaft oder einen neuen Sinn zu geben.

Ivanyr verband Gegner durch ein Netz aus arkanen Linien. Wer die Verbindung unbedacht kreuzte, wurde von ihr verletzt. Seine jahrelange Einsamkeit brachte im Kampf keine Sehnsucht nach Nähe hervor, sondern eine Magie, die andere Beziehungen in gefährliche Geometrie verwandelte. Jeder musste sich bewegen, ohne die unsichtbare Ordnung der übrigen zu zerreißen.

Das Archiv verliert seinen rastlosen Leser

Ivanyr fiel zwischen den Büchern, die ihn erhalten und zugleich gefangen hatten. Sein Tod war kein Beweis, dass Verbannung gerecht gewesen sei. Er zeigte vielmehr, wie Suramars Abhängigkeit Menschen in den Untergrund trieb, wo jedes gefundene Ersatzmittel den Körper retten und die Person dennoch langsam verlieren konnte.