Der Gärtner der Nachtfestung
Schon in seiner Jugend faszinierte Tel'arn das Pflanzenleben: die Zähigkeit eines Unkrauts, jede Ritze zu nutzen, die Kraft des Grases, Sonnenlicht einzufangen, und die Art, wie ein Baum sich teilen oder zwei Zweige sich verbinden konnten. In Suramar wurde aus dieser Neugier ein Beruf. Tel'arn stieg zum Hochbotaniker auf und pflegte die Gärten der Nachtfestung.
Der Nachtbrunnen gab seiner Forschung eine Macht, die weit über gewöhnliche Botanik hinausging. Mit der Zeit verwandelte seine Energie Tel'arn so stark, dass er kaum noch wie ein Nachtgeborener aussah. Er selbst sah darin keine Warnung. Er hielt sich für etwas, das den alten Grenzen seiner Art entwachsen war.
Geteilte Kraft
Als die Angreifer die Gärten erreichten, verteidigte Tel'arn sie mit arkaner, naturhafter und solarer Magie. Im Kampf teilte er seine Energie auf: Erst entstand ein solares Abbild, später trennten sich auch Natur und Arkane Macht in eigene Formen. Diese Gestalten waren keine drei unabhängigen Lebensgeschichten, sondern Ausprägungen derselben, zu weit getriebenen Verwandlung.
Der Vorgang passt zu seiner Forschung, ohne mehr zu behaupten, als die Überlieferung hergibt. Tel'arn hatte die Teilbarkeit und Verbindung lebender Formen studiert. Der Nachtbrunnen gab ihm die Kraft, diese Vorstellung auf sich selbst anzuwenden.
Ein Garten im Krieg
Tel'arn stand auf Elisandes Seite, als die Rebellion die Nachtfestung stürmte. Seine Gärten wurden dadurch zum Schlachtfeld. Sporen, Ranken und gebündelte Energie dienten nicht mehr der Pflege eines Hofes, sondern der Verteidigung eines Regimes, das seine Zukunft an die Legion verpfändet hatte.
Mit seinem Fall verlor die Nachtfestung einen ihrer alten Fachleute. Seine Geschichte ist kleiner als die von Elisande oder Gul'dan, aber sie erzählt dieselbe Gefahr im stilleren Maßstab: Aus Bewunderung für Wachstum kann Besitzanspruch werden, und aus dem Wunsch nach Veredelung die Unfähigkeit, die eigene Grenze noch zu erkennen.