Pilger einer verlorenen Herrin
Kalis hatte Sylvanas Windläufer nicht vergessen. Während andere nach deren Sturz versuchten, mit Schuld und Folgen weiterzuleben, hielt die Banshee an der Dunklen Fürstin fest. Gemeinsam mit Happus, einer ihr treu ergebenen Monstrosität, sammelte sie Gleichgesinnte und führte sie an den Ort, an dem Sylvanas einst Tochter und Schwester gewesen war.
Im Windläuferturm suchte die Gruppe nach Gegenständen, in denen ein Rest von Sylvanas’ Essenz nachhallen könnte. Für Kalis war Erinnerung nicht etwas, das man still bewahrte. Sie wollte sie greifen, besitzen und zum Mittelpunkt eines neuen Kultes machen. Jede Kammer wurde geplündert, jedes Familienzeichen nach einer Spur der Bansheekönigin durchsucht.
Zwei Körper, ein Wille
Kalis und Happus kämpften wie zwei Hälften derselben Drohung. Die Banshee schleuderte Schattenmagie und ließ einen schwächenden Schrei durch die Hallen fahren, während Happus mit verdorbenem Unrat, Knochenklinge und roher Kraft jede Flucht verhinderte. Wo der eine Gegner Abstand suchte, zog ihn der andere wieder in die Mitte des Verderbens.
Ihre Hingabe ließ keinen Raum für die Frage, was Sylvanas selbst inzwischen über solche Verehrung gedacht hätte. Kalis brauchte keine lebende Herrin, die widersprechen konnte. Das Bild der Dunklen Fürstin, das sie im Inneren trug, genügte. Aus Loyalität war damit ein geschlossenes Glaubenssystem geworden, das jedes Hindernis als Beweis feindlicher Entweihung deutete.
Ein Kult verliert seine Reliquien
Mit der Niederlage des Duos endete die Suche im Turm. Die Relikte der Windläufer blieben Erinnerungsstücke einer Familie statt Waffen eines neuen Fanatismus. Doch Kalis’ Auftreten zeigte, wie lange Sylvanas’ Schatten wirkte: Nicht nur durch ihre eigenen Entscheidungen, sondern durch Menschen und Geister, die aus ihr eine unveränderliche Legende machten.