Vor den Dracthyr
Lange bevor Neltharion seine Dracthyr als geordnete Armee präsentierte, suchte er in Aberrus nach der richtigen Verbindung aus Drachenkraft, sterblicher Anpassungsfähigkeit und absolutem Gehorsam. Neldris, Thadrion und Rionthus gehörten zu jenen frühen Versuchen. Jeder von ihnen trug einen anderen Ansatz, wie ein künstlich geformter drakonischer Soldat aussehen konnte.
Neldris besaß gewaltige körperliche Kraft, aber zu viel ungebändigte Gewalt. Thadrion wurde mit arkaner Energie überladen, die seinen Körper und seine Umgebung instabil machte. Rionthus kam dem späteren Ziel näher und verband verschiedene Kräfte der Drachenschwärme, doch auch er entsprach Neltharions Vorstellung von kontrollierbarer Vollkommenheit nicht.
Zskarns kaltes Urteil
Der Verwalter Zskarn überwachte die Entwicklung und beurteilte die Geschöpfe nicht als Personen. Er sah Versuchsreihen, Messwerte und Fehler. Wo ein lebendes Wesen Schmerz, Erinnerung oder Angst empfand, notierte er nur, welche Veränderung beim nächsten Versuch vermieden werden müsse.
Als die drei Prototypen ihren Zweck nicht erfüllten, wurden sie nicht geheilt oder freigelassen. Man schloss sie in Behälter ein und ließ sie in Aberrus zurück. Ihr Name verschwand aus der Erzählung über die Erschaffung der Dracthyr. Das spätere Heer sollte wie ein Erfolg wirken; die Körper, an denen dieser Erfolg erprobt worden war, blieben hinter verschlossenen Türen.
Beim Eindringen in Aberrus öffnete Zskarn die Kammern erneut. Neldris, Thadrion und Rionthus erwachten nicht in einer Welt, die ihnen eine zweite Möglichkeit bot. Sie wurden unmittelbar wieder als Waffen und Prüfobjekte benutzt. Zskarn beobachtete ihren Kampf und behandelte selbst ihre erneute Niederlage als nützliche Datensammlung.
Für Furorion und die anwesenden Dracthyr war diese Begegnung eine unangenehme Wahrheit über ihre Herkunft. Ihre Fähigkeiten waren nicht in einem einzigen genialen Augenblick entstanden. Vor ihnen hatte es andere gegeben, deren Leiden aus der offiziellen Geschichte entfernt worden war. Neltharions Vision ruhte auf einer Reihe verworfener Leben.
Das Recht, mehr als ein Entwurf zu sein
Sarkareth suchte in Aberrus nach einem Erbe, das seinem Volk Stärke und Identität geben sollte. Die vergessenen Experimente zeigten, warum dieses Erbe so gefährlich war. Neltharion hatte seine Geschöpfe danach beurteilt, wie gut sie seiner Absicht dienten. Eigenwille war für ihn kein Zeichen von Leben, sondern ein Fehler im Entwurf.
Neldris, Thadrion und Rionthus erhielten keine eigene Zukunft. Dennoch veränderte ihre Entdeckung den Blick auf die Dracthyr. Sie machte deutlich, dass Freiheit nicht darin bestehen konnte, das Werk des Schöpfers nur erfolgreicher fortzuführen. Sie musste mit der Anerkennung beginnen, dass kein erschaffenes Wesen bloß eine unvollkommene Stufe auf dem Weg zu einem anderen sein durfte.