Der Weg nach Akademie von Algeth'ar
In Thaldraszus hatte die Akademie von Algeth'ar einst junge Drachen aller fünf großen Schwärme gemeinsam ausgebildet. Nach zehntausend Jahren des Schweigens öffnete Direktorin Doragosa ihre Schule wieder. Doch Unterrichtssäle, botanische Labore, Sportplätze und selbst ein altes Simulakrum hatten die lange Abwesenheit ihrer Schüler nicht unversehrt überstanden. In Überwuchertes Urtum nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Die botanischen Labore der Akademie waren nie bloß Ziergärten gewesen. Dort lernten junge Drachen, wie Leben auf Magie reagierte und wie behutsam Wachstum gelenkt werden musste. Während die Dracheninseln schliefen, kümmerte sich jedoch keine neue Schülergeneration um Beete und Wege. Wurzeln sprengten alte Grenzen, und das Grün nahm Räume zurück, die einst für Unterricht geordnet worden waren.
Professorin Mystakria und Professor Ichistrasz wollten die Labore für die Wiedereröffnung herrichten. Statt jede verwilderte Pflanze mühsam zu schneiden, griffen sie auf Magie zurück. Der Zauber sollte die Arbeit erleichtern und neues Leben in die Anlage bringen. Doch nach so langer Zeit war nicht mehr zuverlässig zu erkennen, wo notwendige Belebung endete und ungebremstes Wachstum begann.
Das große blättrige Problem
Aus dem Übermaß erhob sich ein gewaltiges Urtum. Es war nicht mit einem Plan zur Eroberung gekommen und kannte keinen Hass auf die Akademie. In seinem Körper hatte sich lediglich so viel Lebenskraft gesammelt, dass Mauern, Unterricht und vorsichtige Absichten bedeutungslos wurden. Was die Professoren retten wollten, drohte nun unter Ästen und Wurzeln zu verschwinden.
Das Urtum zwang verborgene Samen direkt unter den Füßen der Gefährten zum Keimen. Einer nach dem anderen brach aus der Erde, stieß Menschen beiseite und hinterließ einen zunächst ruhenden Peitscher. Der Boden wurde so zu einem Gedächtnis jeder Position. Wo eben noch jemand sicher gestanden hatte, wartete kurz darauf neues Leben auf den Ruf seines Schöpfers.
Sobald sich genügend Kraft im Urtum gesammelt hatte, ließ es alles ruhende Wachstum zugleich hervorbrechen. Jeder übersehene Peitscher erwachte hungrig und verteilte Gift mit seinen Schlägen. Die Gefährten mussten die noch stillen Pflanzen beseitigen, bevor aus einem geordneten Beet ein Schwarm wurde. Nicht das einzelne Gewächs entschied den Kampf, sondern das, was man zu lange unbeachtet ließ.
Äste, die weiterleben
Das Urtum riss einen eigenen Ast ab und schleuderte ihn in die Gruppe. Aus dem Holz entstand ein selbstständig kämpfender Zweig, der seine Verbündeten mit heilender Magie versorgte. Sein Tod setzte wiederum einen Funken von Lebensenergie frei, der Wunden schloss und die blutenden Splitter aus den Körpern der Gefährten löste. Selbst abgetrennt blieb jeder Teil des Urtums zugleich Gefahr und Quelle der Erneuerung.
Mit seinem Rindenbrecher trat das Urtum so schwer zu, dass der Getroffene für weitere körperliche Schläge empfindlicher wurde. Stärke bestand deshalb nicht darin, unbeweglich vor dem Stamm stehen zu bleiben. Die Gruppe musste Belastung, Peitscher und heilende Zweige ordnen, während immer neue Keime den Raum veränderten. Das Labor prüfte nun genau jene Aufmerksamkeit, die der übereilte Wiederaufbau zuvor vermissen ließ.
Pflege ist mehr als Wachstum
Als das überwucherte Urtum fiel, war nicht die Natur aus der Akademie verbannt. Die Gärten konnten weiterleben, doch ihre Hüter hatten eine deutliche Grenze erfahren. Leben zu fördern bedeutet nicht, ihm blind immer mehr Kraft zu geben. Eine Schule, die den grünen Schwarm verstehen wollte, musste ihren Schülern auch Geduld, Rückschnitt und Verantwortung lehren.