Das Vertrauen der Magister
Seranel verdiente sich seinen Rang nicht durch große Reden, sondern durch Beherrschung. Als Zauberbrecher lernte er, fremde Magie zu lesen, zu unterdrücken und gegen ihren Träger zu wenden. Die Magister vertrauten ihm deshalb den Anziehungspunkt des Zwielichts an, einen Ort, an dem arkanes Wissen und gefährliche Kräfte besonders sorgfältig bewacht werden mussten.
Als Umbrics Handeln der Leere eine Gelegenheit eröffnete und die Terrasse angegriffen wurde, blieb Seranel auf seinem Posten. Flucht hätte bedeutet, genau jene Pflicht aufzugeben, die sein Leben geordnet hatte. Doch in einer Lage voller Täuschung und fremder Einflüsse machte seine Unnachgiebigkeit auch jeden zum Feind, der sich dem geschützten Bereich näherte.
Seranel legte Runenzeichen auf seine Gegner und schuf Zonen der Unterdrückung. Schließlich ließ er eine Welle des Schweigens durch den Raum gehen, die außerhalb dieser Schutzfelder jede Stimme und jede Handlung erstickte. Der Kampf spiegelte sein Amt: Er wollte Magie nicht mit größerem Chaos besiegen, sondern mit absoluter Kontrolle.
Treue ohne Rückweg
Der Zauberbrecher war bereit, sein Leben für die Pflicht zu geben. Gerade deshalb ließ er sich nicht mehr überzeugen, dass die Verteidiger der Terrasse an ihm vorbei mussten, um die eigentliche Bedrohung zu erreichen. Seine Tugend wurde zur Mauer. Was ihn vertrauenswürdig gemacht hatte, verhinderte nun jede Anpassung an eine Wirklichkeit, in der alte Zuständigkeiten nicht mehr genügten.
Seranels Niederlage öffnete den Weg zum Zentrum des Angriffs, nahm der Terrasse aber zugleich einen ihrer fähigsten Beschützer. Sein Ende war kein Triumph über einen Verräter. Es war der Preis dafür, dass zwei Seiten denselben Ort retten wollten und ein Mann nur eine einzige Form von Gehorsam kannte.