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Melidrussa die Unterkühlte
Bosse

Melidrussa die Unterkühlte

Melidrussa führte die primalistische Infusion in den Rubinlebensbecken. Sie glaubte, Dracheneier vor dem Einfluss der Titanen zu retten, indem sie die Magie der Ordnung mit elementarem Frost aus ihnen trieb. Aus diesem Sendungsbewusstsein machte sie Kälte zur Waffe gegen jene, die sich selbst als Beschützer des jungen Lebens verstanden.

Der Weg nach Rubinlebensbecken

In den Rubinlebensbecken hütete der rote Drachenschwarm die nächste Generation der Dracheninseln. Nach Jahrtausenden der Abwesenheit sollten dort wieder Eier behütet und Jungdrachen auf ihr Leben vorbereitet werden. Für die Primalisten war der Schrein jedoch kein Ort der Hoffnung, sondern eine Werkstatt der Titanenordnung. Ihr Angriff zielte deshalb nicht nur auf die Verteidiger, sondern auf die Zukunft, die in jedem Ei heranwuchs. In Melidrussa die Unterkühlte nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.

In den unteren Kammern der Rubinlebensbecken lagen Eier, deren Schalen die Hoffnung mehrerer Drachenschwärme bewahrten. Nach dem Erwachen der Dracheninseln war ihre Sicherheit nicht bloß eine familiäre Angelegenheit. Jedes unversehrte Gelege versprach, dass die Schwärme nach Verlusten, Krieg und langer Trennung wieder wachsen konnten. Wer die Becken angriff, griff deshalb eine Zukunft an, die noch keinen eigenen Namen und keine eigenen Flügel besaß.

Melidrussas Vorstellung von Rettung

Melidrussa sah in derselben Brut keine unschuldigen Leben unter Schutz, sondern Opfer einer uralten Veränderung. Für die Primalisten hatte der Einfluss der Titanen die Drachen von ihrem natürlichen, elementaren Zustand entfernt. Ordnung war in ihren Augen kein Segen, sondern ein Makel, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Melidrussa wollte die Eier reinigen und war überzeugt, dass jedes gewaltsame Mittel durch dieses Ziel geheiligt werde.

Unter ihrer Leitung brachten die Angreifer urtümlichen Frost in die Brutstätten. Die Kälte sollte nicht einfach Schalen zerbrechen. Sie sollte die in ihnen ruhende Magie umformen und den Anspruch der Aspekte auf die nächste Generation auslöschen. So trafen im selben Raum zwei Vorstellungen von Schutz aufeinander. Die roten Drachen bewahrten das Leben, wie es geworden war; Melidrussa wollte es retten, indem sie entschied, was es ursprünglich hätte sein sollen.

Die Unterkühlte schließt den Raum

Melidrussa bedeckte den Boden mit Frost, schleuderte Hagelbomben und zog Kältestürme um einzelne Gegner zusammen. Ihre Magie nahm nicht nur Wärme, sondern Bewegungsfreiheit. Wer zu oft von der urtümlichen Kälte berührt wurde, erstarrte vollständig. In einer Brutstätte, die Wärme und Behutsamkeit verkörperte, machte sie jeden Schritt schwer und jeden Atemzug zu einem sichtbaren Nebel.

Als ihr eigener Widerstand nachließ, rief Melidrussa bereits veränderte Welpen in den Kampf. Die jungen Drachen trugen den Frost, mit dem sie angeblich von der Ordnung befreit worden waren, nun in Klauen und Atem. Sie waren zugleich Beweis und Opfer ihres Werkes. Melidrussa deutete ihre Gefährlichkeit als Rückkehr zur Natur; die Verteidiger sahen Wesen, deren erstes Erwachen sofort in einen Krieg gezwungen worden war.

Im Höhepunkt der Begegnung zog Melidrussa immer mehr Kälte an sich. Die Überladung wurde mit jedem Augenblick tödlicher und musste unterbrochen werden, bevor sie die ganze Gruppe erstickte. Ihre eigene Magie zeigte damit die Grenze ihres Glaubens. Eine Kraft, die angeblich reinigen sollte, kannte kein natürliches Ende. Ohne Widerstand hätte sie nicht nur den Einfluss der Titanen, sondern jedes Leben im Raum ausgelöscht.

Der erste Angriff bricht

Die Gefährten befreiten Erstarrte, hielten die Welpen zusammen und durchbrachen Melidrussas Überladung. Mit ihrem Fall verloren die Primalisten die Leiterin der Infusion, doch der Überfall war längst größer als ihr Labor. Oberhalb der Brutstätten trieben Kokia Feuerhuf und ihre Leutnants die Verteidiger zurück. Nach der Kälte wartete Feuer, und beide Elemente dienten derselben Behauptung, Zerstörung könne eine Form der Befreiung sein.

Melidrussas Geschichte blieb als unbequemer Kern des Krieges zurück. Sie handelte nicht aus Gleichgültigkeit gegenüber den Eiern, sondern aus einem Schutzwillen, der ihnen jede eigene Zukunft nahm. Ein ungeborener Drache konnte weder der Ordnung zustimmen noch die primalistische Reinigung wählen. Andere trafen diese Entscheidung für ihn. Gerade darin verwandelte sich Melidrussas Berufung von Fürsorge in Gewalt.