Ein Hafen auf der Insel der Speere
Kamagua liegt an der nordwestlichen Küste der Insel der Speere, vom Festland des Heulenden Fjords durch kaltes Wasser und steile Felsen getrennt. Eine alte Gondel führt hinab zu den rund gebauten Häusern der Kalu'ak. Ihre unteren Räume reichen in den gefrorenen Boden, damit Familien, Vorräte und Werkstätten vor Wind und Kälte geschützt bleiben.
Ältester Atuik führt die Siedlung. Unter seiner Aufsicht wurde Kamagua zu einem Rastplatz für wandernde Tuskarrclans und zu einem Hafen, an dem Geschichten, Waren und Nachrichten ausgetauscht wurden. Die Kalu'ak lebten nicht abgeschieden: Eine gewaltige Meeresschildkröte verband Kamagua mit dem Hafen Moa'ki in der Drachenöde und hielt damit einen alten Verkehrsweg entlang Nordends Küsten offen.
Gestohlene Erinnerungen und unruhige Tote
Als Fremde den Fjord erreichten, war Kamaguas Sicherheit bereits bedroht. Piraten hatten Grabhügel auf dem Schildhügel geplündert und Rüstungen, Waffen und andere Erinnerungsstücke alter Vrykul entwendet. Die Toten fanden deshalb keine Ruhe. Orfus von Kamagua suchte nach den geraubten Gegenständen, weil die erzürnten Geister nicht zwischen den Schuldigen und den Bewohnern der Küste unterschieden.
Die Rückgabe der Artefakte war mehr als eine Aufgabe für Krieger. Sie stellte ein gestörtes Verhältnis zwischen Lebenden und Toten wieder her. Erst danach wurde das größere Ausmaß der Gefahr sichtbar: Kvaldir kamen über das Meer, Iskaal wurde überfallen und Überlebende suchten Schutz in Kamagua. Atuik musste ein friedliches Hafenvolk auf einen Krieg vorbereiten, den es nicht begonnen hatte.
Ein Knoten im Netz der Kalu'ak
Kamagua überstand die Angriffe und blieb bewohnt. Der Hafen verband die Kalu'ak des Heulenden Fjords mit ihren Verwandten in der Drachenöde und der Boreanischen Tundra. Als Kaskala fiel, wurde dieses Netz noch wichtiger. Kein einzelner Ort konnte die Küste allein halten; die Tuskarr überlebten, weil ihre Siedlungen Menschen, Vorräte und Erinnerungen weitertrugen.
Viele Jahre später brachen erneut Fischer und Reisende von Kamagua nach Osten auf. Sie folgten Berichten über ferne Häfen, welche ihre Vorfahren einst besucht hatten. Damit blieb die Siedlung das, was sie immer gewesen war: kein militärisches Bollwerk, sondern ein Ausgangspunkt. Ihre Geschichte zeigt die Kalu'ak als ein Volk, dessen Heimat aus Wegen über das Meer ebenso besteht wie aus festen Dörfern an Land.