Der Weg nach Scholomance
Unter dem Herrenhaus von Caer Darrow verwandelte sich der Besitz der Barovs in eine Schule des Todes. Die Familie hatte Kel'Thuzad ihr Heim überlassen, um Reichtum und Herrschaft über das eigene Leben hinaus zu bewahren. Aus dem Handel wurden Keller voller Studenten, Versuchskörper und Lehrer der Nekromantie. Scholomance war deshalb nie nur ein Versteck der Geißel. Es war eine Bildungseinrichtung, in der Grausamkeit Methode erhielt und jede Kammer zeigte, was geschieht, wenn Wissen keinen anderen Zweck mehr kennt als Macht über Körper und Seele. In Jandice Barov erhält ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt.
Jandice wuchs als Tochter von Lord Alexei und Lady Illucia in einer Familie auf, deren Ländereien von Caer Darrow bis Brill, Tarren Mill und Süderstade reichten. Ihre Brüder Alexi und Weldon stritten später um dieses Erbe. Jandice suchte zunächst einen anderen Weg zur Macht. In Dalaran wurde sie Erzmagierin und entwickelte eine außergewöhnliche Meisterschaft der Illusion.
Das fast unfehlbare Abbild
Ihre größte Kunst ließ zahlreiche Bilder des eigenen Körpers erscheinen, die sich nahezu nicht vom Original unterschieden und jede Bewegung aus anderen Positionen wiederholten. Ein Gegner sah nicht bloß Kopien, sondern viele gleichzeitig glaubhafte Wahrheiten. Die Magie war beinahe unfehlbar. Sie schützte Jandice im Leben und wurde im Tod zu der Lehrstunde, mit der Scholomance jede Gewissheit ihrer Besucher zerlegte.
Als Haus Barov sich Kel'Thuzads Kult des Verdammten anschloss, wurde das eigene Herrenhaus zur Schule der Nekromantie. Diener verschwanden in Versuchskammern, und Jandice endete als untoter Geist innerhalb des Besitzes, den ihre Eltern um jeden Preis hatten bewahren wollen. Berichte verbinden sie zudem mit dem Blut Unschuldiger, das Krastinov gewann und Kirtonos verlangte. Die gelehrte Magierin war damit nicht bloß Opfer des Paktes, sondern Teil seines Betriebs.
Die Lehrerin bleibt
Jandice wurde in der klassischen Scholomance besiegt, doch ihr Geist verschwand nicht endgültig. Jahre später unterrichtete sie wieder und machte fortgeschrittene Illusionen zum Lehrfach einer neuen Generation. Selbst nach dem Vierten Krieg meldete der Argentumkreuzzug ihre Anwesenheit. Das ist die bitterste Vollendung ihrer Kunst: Eine Frau, die sich in unzählige beinahe echte Bilder teilen konnte, hinterließ selbst nach mehreren Niederlagen nie die Sicherheit, dass man wirklich das letzte Original gefunden hatte.