Der Weg nach Tiefensumpf
Unter den Pumpen des Echsenkessels überdauerte im Tiefensumpf ein urwüchsiger Teil der Zangarmarschen. Pilzgiganten, Hydren, Sporlinge und Marschwandler lebten dort nicht als geordnete Armee, sondern als verletztes Geflecht aus Hunger, Revierkampf, Gefangenschaft und den Folgen von Vashjs Wasserraub. Jeder Eindringling betrat deshalb zugleich eine Zuflucht und eine Wunde der Landschaft. In Die Schattenmutter erhält ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt.
Marschwandler ragten hoch über viele Bewohner der Zangarmarschen hinaus. Sie zogen durch flaches Wasser und Pilzwälder und fraßen kleinere Wesen, die ihnen in den Weg gerieten. Ihr Hunger war kein politischer Plan. Er gehörte zu einer Natur, die Leben hervorbrachte und es ebenso unerbittlich wieder verschlang.
Mutter einer ganzen Brut
Die Schattenmutter galt als Ursprung oder Brutkönigin aller Marschwandler. Ihr Versteck im tiefsten Sumpf war daher mehr als das Lager eines einzelnen Tieres. Von dort ging eine Linie von Jägern aus, die das Gleichgewicht der Höhlen prägte und für die kleinen Völker der Region eine immer wiederkehrende Bedrohung blieb.
Die Sporlinge erzählten von ihr mit besonderer Furcht. Für die Schattenmutter waren sie keine Nachbarn mit Sprache und Erinnerung, sondern begehrte Nahrung. Ihre Erzählungen machten sichtbar, was eine Begegnung mit dem Raubtier für die Kleinsten bedeutete: Nicht eine heldenhafte Jagd, sondern die Angst, dass eine ganze Gemeinschaft im Hunger eines einzigen großen Wesens verschwinden konnte.
Keine Dienerin Vashjs
Anders als Ghaz'an oder Quagmirran handelte die Schattenmutter nicht als gebrochene Waffe der Naga. Sie gehörte zur wilden Tiefe, die sich ihrer vollständigen Ordnung entzog. Gerade dadurch zeigte der Tiefensumpf mehr als die Geschichte einer Besatzung. Selbst ohne Vashjs Soldaten blieb die Marsch ein Ort, an dem Schutz nie selbstverständlich war.
Die Schattenmutter hob Gegner mit unsichtbarer Kraft empor, schleuderte Blitze durch die Gruppe und spannte Netze aus, obwohl ihre Gestalt eher an einen gewaltigen Marschwandler als an eine Spinne erinnerte. Wer ihr gegenüberstand, verlor selbst den sicheren Boden. Der Raum über dem Sumpf wurde ebenso Teil ihres Jagdreviers wie das Wasser darunter.
Am Ende des Tiefensumpfs
Mit ihrem Tod endete eine unmittelbare Gefahr für die Sporlinge, nicht aber der Kreislauf aus Jagen und Gejagtwerden. Die Schattenmutter war kein Tyrann, dessen Reich in sich zusammenfiel. Sie war ein mächtiger Teil der Wildnis. Ihr Ende schuf Atemraum für kleinere Leben und erinnerte zugleich daran, dass jede Rettung in den Marschen das empfindliche Gleichgewicht einer lebendigen Welt berührte.