Eine Reise, die Karazhan nachspielt
Wenn Barnes das Stück vom Zauberer von Oz ankündigte, öffnete sich der Vorhang für Dorothee und ihren Hund Tito. Zu ihnen gehörten Blechkopf, Strohmann und der Löwe Brüller. Wie in der bekannten Erzählung suchten sie Mut, Verstand, Herz und einen Weg nach Hause. In Karazhan wurden diese Wünsche jedoch nicht auf einer langen Reise geprüft, sondern in wenigen gefährlichen Minuten auf einer verfluchten Bühne zusammengedrängt.
Die Figuren erschienen nicht als gewöhnliche Schauspieler, die eine Rolle nur vortäuschten. Sie kämpften mit den Eigenschaften, die ihre Namen bestimmten. Strohmann fürchtete Feuer, Blechkopf war schwer und widerstandsfähig, und Brüller schwankte zwischen Wildheit und Furcht. Das Stück machte Charakterzüge zu körperlichen Gesetzen.
Die böse Vettel wartet am Ende
Nachdem Dorothees Gefährten besiegt waren, trat die Vettel auf. Sie war die eigentliche Gegenspielerin der Aufführung und griff mit Magie, Wirbelstürmen und Kettenblitzen ein. Die scheinbar kindliche Reise endete damit in einem Kampf gegen eine Hexe, die nicht mehr zwischen Bühnenzauber und wirklicher Gewalt unterschied.
Das Opernhaus erzählte die Geschichte nicht vollständig und schon gar nicht behutsam. Es nahm ihre bekanntesten Figuren, Wünsche und Gefahren und formte daraus ein Schauspiel, in dem Besucher selbst um ihr Leben kämpfen mussten.
Drei Stücke, ein verfluchter Spielplan
Der Zauberer von Oz war nur eine von drei möglichen Aufführungen. An anderen Abenden spielte das Ensemble Rotkäppchen oder Romulo und Julianne. Welche Geschichte erschien, entschied Karazhans wechselhafte Magie. Erst wenn eine Vorstellung beendet war, öffnete sich der weitere Weg durch den Turm.
Dadurch wurde das Theater zu einem Tor. Niemand konnte die Oper einfach umgehen, denn Karazhan verlangte, dass seine Geschichte zu Ende gespielt wurde. Der Weg zum Kurator und in die oberen Hallen führte buchstäblich durch den Schlussapplaus.
Warum die Oper wichtig ist
Die Oz-Aufführung besitzt keine eigenständige Vorgeschichte außerhalb Karazhans. Ihre Bedeutung liegt im Ort. Der Turm nimmt eine erfundene Erzählung und behandelt sie wie Erinnerung. Figuren, die nie zu Azeroths Geschichte gehörten, erhalten Körper und Gewalt, weil eine Bühne sie oft genug dargestellt hat. Das macht das Opernhaus zu einem der klarsten Beispiele dafür, wie Karazhan Wirklichkeit aus Geschichten formt.