Der Weg nach Scholomance
Unter den Ruinen von Caer Darrow bestand Scholomance als Schule der Nekromantie fort. Ihre Räume verbanden Hörsaal, Folterkammer und Labor, als seien Wissen und Grausamkeit nur verschiedene Fächer desselben Lehrplans. Dunkelmeister Gandling hielt an einer Ordnung fest, in der Schüler nicht durch Verständnis, sondern durch Überleben geprüft wurden und selbst der Tod lediglich den Übergang in eine weitere Unterrichtsform bedeutete. In Ausbilderin Kaltherz nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Kaltherz reiste aus Nordend an, einem Land, in dem die Geißel ihre Nekromantie in gewaltigem Maßstab erprobt hatte. Sie brachte nicht nur Frostmagie, sondern eine Vorstellung von Disziplin mit, die Enttäuschung hart bestrafte. In Scholomance fand sie Schüler, die Macht über Tod und Seele suchten und bereit waren, Unterricht in einem Raum zu erhalten, in dem ein Fehler das eigene Leben kosten konnte.
Einführung in die dunklen Künste
Ihr Kurs trug einen beinahe nüchternen Namen, als handle es sich um das erste Kapitel eines gewöhnlichen Studiums. Gerade diese Ordnung machte Scholomance gefährlich. Grausamkeit erschien als Lehrstoff, Seelenbruch als Übung und Untod als berufliche Möglichkeit. Kaltherz musste ihre Schüler nicht in Raserei versetzen. Sie gewöhnte sie daran, das Ungeheuerliche mit der Ruhe eines Stundenplans zu betrachten.
Zu Beginn ihrer Prüfung rief Kaltherz eine tödliche Eiswelle, die langsam durch den Raum wanderte. Sie gab den Eindringlingen Zeit, aber keinen dauerhaften Rückzugsort. Der Unterricht erhielt eine klare Frist: Entweder der Körper der Ausbilderin fiel, bevor der Frost die letzte freie Fläche erreichte, oder jeder Zögernde wurde Teil der stillen, gefrorenen Ordnung.
Frost gegen Seele und Gemeinschaft
Kaltherz hüllte einzelne Menschen in Eis, das ihren Gefährten schadete, und ließ kalte Griffe aus dem Boden brechen. Auf schwereren Wegen sprang ein Seelenfluch von einem Ziel zum nächsten. Ihre Magie isolierte nicht einfach. Sie machte Nähe gefährlich und zwang eine Gruppe, Abstand zu halten, ohne die gemeinsame Aufgabe aus den Augen zu verlieren.
Als Kaltherz' Leib zusammenbrach, floh die Magie, die ihn belebte, in ihr Phylakterium. Für eine Lich war körperlicher Tod keine vollständige Niederlage. Teile ihrer Seele fuhren in die Bücher der Bibliothek. Arkane Bomben, Feuer und Schattenbolzen bewegten sich nun zwischen den Regalen, als erhielte jedes Lehrbuch die Gelegenheit, seinen Titel auf die grausamste mögliche Weise vorzuführen.
Das Phylakterium zerbricht
Die zweite Lektion endete erst mit der Zerstörung des Phylakteriums. Damit wurde Kaltherz nicht nur erneut körperlos, sondern ihrer vorbereiteten Rückkehr beraubt. Die belebten Bücher verstummten, und der Klassenraum verlor seine Lehrerin. Zurück blieb die Erkenntnis, dass Wissen in Scholomance niemals neutral gesammelt worden war: Jede Seite war Teil eines Systems, das selbst nach dem Tod seines Lehrkörpers weiter unterrichten wollte.