Rhea im Ödland
Rheastrasza war eine Drachin des roten Drachenschwarms. Im Ödland nahm sie die Gestalt einer Goblinfrau namens Rhea an und errichtete ein Lager nahe den Ruinen von Kargath. Ihre Tarnung sollte sie vor dem schwarzen Drachenschwarm schützen. Dessen Mitglieder waren seit Neltharions Fall durch den Einfluss der Alten Götter verdorben und betrachteten jeden Versuch, ihre Brut zu verändern, als Angriff.
Rheastraszas Ziel war ungewöhnlich. Sie wollte nicht nur schwarze Drachen töten, sondern herausfinden, ob ihre Verderbnis entfernt werden konnte. Damit handelte sie im Geist des roten Schwarms, der das Leben schützt, überschritt aber zugleich moralische Grenzen. Für ihre Versuche ließ sie die schwarze Drachin Nyxondra gefangen nehmen und zur Ablage von Eiern zwingen.
Die erzwungenen Versuche
Rhea sammelte zunächst wilde Eier und Proben von Welpen. Danach ließ sie Eier in Nyxondra einsetzen und untersuchte die daraus entstehende Brut. Sie empfand Mitleid mit der gefangenen Drachin, hielt das Vorgehen jedoch für notwendig, weil sie eine Zukunft für den gesamten schwarzen Schwarm ermöglichen wollte. Nyxondra hatte keine Wahl und wehrte sich später gegen die Experimente.
Die Geschichte stellt Rheastrasza deshalb nicht als einfache Heilige dar. Ihr Ziel war lebensrettend, ihre Methode bedeutete Zwang und Leid für ein anderes Lebewesen. Nyxondra war außerdem eine Tochter Todesschwinges und damit tief in dessen verdorbene Blutlinie eingebunden. Gerade aus dieser Brut wollte Rhea ein Ei gewinnen, das frei von der alten Verderbnis war.
Das gereinigte schwarze Ei
Mit Hilfe ihrer Verbündeten gelang es Rheastrasza schließlich, ein gereinigtes schwarzes Drachenei zu erschaffen. Agenten des schwarzen Schwarms jagten sie, sobald das Ziel bekannt wurde. Rhea wechselte mehrfach den Aufenthaltsort und versuchte, ihre Spuren im Ödland zu verwischen. Nyxondra rief ihre Verwandten gegen sie auf und wurde im folgenden Kampf getötet.
Das Ei war für beide Seiten von großer Bedeutung. Für Rhea bewies es, dass ein schwarzer Drache ohne die Verderbnis der Alten Götter geboren werden konnte. Für Todesschwinge bedrohte es die Kontrolle über seine Nachkommen. Ein unabhängiger schwarzer Drache konnte sich seinem Willen entziehen und später sogar die verdorbene Brut gegen ihn wenden.
Todesschwinges Angriff
Todesschwinge fand Rheastrasza schließlich. Er griff sie persönlich an und zerstörte das Ei, das sie bei sich trug. Rhea starb bei diesem Angriff. Für den schwarzen Aspekt schien die Gefahr beseitigt. Doch Rheastrasza hatte vorausgesehen, dass sie verfolgt werden würde, und einen Austausch vorbereitet.
Das von Todesschwinge vernichtete Ei war Rheastraszas eigenes rotes Ei. Das gereinigte schwarze Ei hatte sie an einem anderen Ort verborgen. Ihr Opfer umfasste damit nicht nur das eigene Leben, sondern auch ihr ungeborenes Kind. Sie nutzte die Erwartung des Gegners, das sichtbar bewachte Ei müsse sein Ziel sein, und gab dem schwarzen Ei genug Zeit, der Jagd zu entkommen.
Die Geburt Furorions
Das gerettete Ei schlüpfte später. Aus ihm ging Furorion hervor, der sich Schwarzer Prinz nannte. Er war nicht frei von jeder Gefahr oder jedem moralischen Fehler, besaß aber einen eigenen Willen und stand nicht unter derselben Verderbnis wie Todesschwinges übrige Kinder. Rheastraszas Experiment wurde damit zur Voraussetzung für die Erneuerung des schwarzen Drachenschwarms.
Furorion ließ viele andere schwarze Drachen töten, weil er ihre Verderbnis für unheilbar hielt, und verfolgte über Jahre eigene Pläne zum Schutz Azeroths. Diese späteren Entscheidungen sind nicht Rheastrasza zuzuschreiben. Ihr Vermächtnis besteht nicht darin, einen vollkommen guten Drachen geschaffen zu haben. Sie bewies, dass ein schwarzer Drache überhaupt eine Zukunft jenseits von Todesschwinges Kontrolle besitzen konnte.
Opfer, Hoffnung und Schuld
Rheastraszas Geschichte verbindet Hoffnung mit einer schweren moralischen Spannung. Sie rettete eine ganze Drachenlinie vor dem endgültigen Aussterben, indem sie Nyxondra gefangen hielt und deren Körper für Versuche benutzte. Danach opferte sie ihr eigenes Ei, um das Ergebnis zu schützen. Das größere Wohl erklärt ihre Handlungen, macht das Leid Nyxondras aber nicht ungeschehen.
Gerade diese Spannung macht Rhea für die Warcraft-Geschichte wichtig. Ihre Forschung führte nicht zu einer abstrakten Entdeckung, sondern zu einer Person, die später den schwarzen Schwarm prägte. Furorions Existenz beginnt mit der Entscheidung einer roten Drachin, dass selbst eine verdorbene Linie ein Recht auf Zukunft haben könnte, und mit dem Preis, den sie anderen und schließlich sich selbst dafür auferlegte.