Ehre und StärkeBlackmoore
Lohenzar
Bosse

Lohenzar

Lohenzar ist eine lebendige Flamme in einem Körper aus Wachs. Kobolde verehren sein ewiges Brennen und füttern seine Bosheit, während ringsum jene Dunkelheit lauert, vor der selbst Fanatiker Schutz suchen.

Der Weg nach Dunkelflammenspalt

Kobolde tragen Kerzen nicht aus kindischer Furcht, sondern weil sie wissen, was jenseits ihres Lichtkreises wartet. Im Dunkelflammenspalt wurde diese alte Vorsicht zur Lebensordnung. Ein gestürzter König, fanatische Diener und eine Finsternis ohne festen Körper rangen dort um Dochte, Wärme und die Deutungshoheit über die Angst eines ganzen Volkes. Lohenzar steht an einer Stelle dieser Entwicklung, an der sich die große Krise des Ortes in einem einzelnen Leben oder Körper verdichtet.

Lohenzar war Feuer mit Hunger. Der Wachskörper gab der Flamme Gestalt, aber keine Ruhe; jeder Augenblick seines Daseins verlangte neuen Brennstoff. Im Dunkelflammenspalt, wo Licht über Leben und Tod entschied, konnte ein solches Wesen leicht wie ein Wunder erscheinen. Seine Anhänger sahen nicht den unstillbaren Verbrauch, sondern die tröstliche Gewissheit, dass hier etwas brannte, das die Finsternis nicht sofort verschlang.

Anbetung aus Angst

Kobolde sammelten sich um Lohenzar und nannten seine Hitze Schutz. Je näher die Dunkelheit rückte, desto bereitwilliger fütterten sie die Flamme. Aus Dankbarkeit wurde Fanatismus, denn ein Licht, das ständig Opfer verlangt, duldet keine nüchterne Frage nach seinem Nutzen. Schließlich galt jeder Fremde nicht als möglicher Verbündeter, sondern als besonders ergiebiger Brennstoff.

Im Kampf warf Lohenzar Feuer in alle Richtungen und ließ Wachs schmelzen, fließen und erneut entzünden. Der sichere Raum schrumpfte mit jedem Atemzug. Wer das Feuer löschen wollte, musste Licht bewahren und zugleich verhindern, selbst zu seiner Nahrung zu werden. So kehrte die Begegnung die gewöhnliche Hoffnung des Spalts um: Plötzlich war nicht die Dunkelheit allein gefährlich, sondern auch die Flamme, an die man sich klammerte.

Schutz, der verschlingt

Lohenzar verkörperte die Versuchung, jede Forderung zu akzeptieren, solange sie nur gegen eine größere Angst gerichtet ist. Seine Anhänger glaubten, ohne ihn der Finsternis ausgeliefert zu sein. Dabei schufen sie einen zweiten Schrecken, der ihre Vorräte, ihre Opfer und schließlich sie selbst verzehrte. Licht war hier nicht automatisch gut; entscheidend blieb, wem es Wärme gab und wen es verbrannte.

Als Lohenzars Flamme erlosch, wurde der Spalt dunkler und zugleich freier. Seine Verehrer verloren ihren Mittelpunkt, doch auch den Zwang, den Hunger des Wesens ständig zu stillen. Der Sieg bot keine bequeme Sicherheit. Er zwang alle, wieder selbst Licht zu tragen, statt Verantwortung an eine Flamme abzugeben, die niemals genug bekommen konnte.