Ein Wesen unter der Oberfläche
Drest'agath besaß keine klar abgegrenzte Gestalt wie ein gewöhnlicher Gegner. Der größte Teil ihres Körpers lag in den Tiefen Ny'alothas. Sichtbar wurden nur Auswüchse: Tentakel, Augen und Mäuler, die an verschiedenen Orten aus dem Gewebe der Stadt brachen.
Diese Teile waren keine unabhängigen Kreaturen. Sie gehörten zu einem einzigen Bewusstsein. Was an einer Stelle verletzt wurde, konnte den verborgenen Kern warnen und an anderer Stelle eine Reaktion auslösen. Drest'agath war dadurch zugleich Bewohnerin und Teil der Architektur.
Die Stadt als Körper
Ny'alotha folgte nicht den sicheren Grenzen zwischen Bauwerk und Lebewesen. Wände wirkten wie Fleisch, Gänge wie Adern, und Kreaturen konnten mit der Umgebung verwachsen. Drest'agath machte diese Eigenschaft unmittelbar erfahrbar.
Die Angreifer mussten ihre äußeren Glieder bekämpfen, um die Schutzverbindung zum Kern zu schwächen. Ein Angriff auf die sichtbare Hauptmasse allein genügte nicht. Erst die Verderbnis aus den besiegten Auswüchsen erlaubte es, den verborgenen Körper wirklich zu verwunden.
Schritt für Schritt wurden Tentakel, Augen und Mäuler ausgeschaltet. Die Verbindung zwischen ihnen brach, und Drest'agaths Kern verlor seinen Schutz. Schließlich starb das gesamte Wesen.
Mit ihrem Fall öffnete sich der Weg tiefer in die Stadt. Zugleich wurde ein Teil Ny'alothas buchstäblich zum Schweigen gebracht. Der Sieg war nicht nur die Tötung einer Kreatur, sondern die Entfernung eines lebenden Organs aus N'Zoths Reich.
N'Zoths Vorstellung von Wirklichkeit
Drest'agath zeigt, wie vollständig der Alte Gott Grenzen aufheben wollte. Individuum und Umgebung, Körper und Gebäude, einzelner Angriff und kollektive Reaktion gingen ineinander über.
Diese Form versprach keine Freiheit von Einsamkeit, sondern das Ende jeder eigenen Abgrenzung. Alles sollte Teil eines größeren Organismus werden, dessen Wille bei N'Zoth lag. Drest'agath war eine Vorwegnahme dieser Welt aus Fleisch und Gehorsam.